Seminarreihe Praxiswissen: Ägypten

Ägypten: Ein Land der Mega-Projekte

Ägypten spielt eine gewichtige Rolle in der arabischen wie auch in der afrikanischen Region. Aus diesem Grund organisierten die EMA, das EZ-Scout-Programm und der Verein Berliner Kaufleute und Industrieller (VBKI) am 25. September 2018 erstmalig das Seminar „Praxiswissen: Ägypten“ in Berlin. 

 
Starker Bausektor und Nachholbedarf bei Rahmenbedingungen für Unternehmen
 
EMA-Vorstandsmitglied Christian Wiesenhütter eröffnete die Veranstaltung und lobte in seiner Rede die Realisierung herausragender Projekte in Rekordgeschwindigkeit, die eine strategische Bedeutung für Ägyptens Position in der Region haben, wie etwa den Suez-Kanal.  Gleichzeitig hob er hervor, dass in Ägypten ein großer Nachholbedarf in der Schaffung von attraktiveren Rahmenbedingungen für Unternehmensprojekte aus dem deutschen Mittelstand bestehe.
 
Evelin Ayadi-Krenzer, die an die EMA entsandte Beraterin für Entwicklungszusammenarbeit (EZ-Scout der GIZ im Auftrag des BMZ), beleuchtete die jüngsten wirtschaftlichen Entwicklungen Ägyptens. Die Werthalbierung des ägyptischen Pfunds nach Aufhebung der Bindung an den US-Dollar Ende 2016 und die damit einhergehende hohe Inflation von über 20 Prozent stellen die ägyptische Bevölkerung vor große Schwierigkeiten einerseits, so Evelin Ayadi-Krenzer. Andererseits begünstigte die Flexibilisierung des Wechselkurses die Realisierung diverser Mega-Projekte in Kooperation mit ausländischen Partnern und führte zu hohen Wachstumsraten im Bausektor sowie auch im Transport und Logistik-Sektor von 11,2 Prozent bzw. 6,8 Prozent pro Jahr. Um dem vorherrschenden Fachkräftemangel der ägyptischen Wirtschaft entgegenzuwirken, wurde ein Berufsausbildungszentrum im Rahmen einer strategischen Allianz zwischen Siemens und dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) errichtet.
 
 
Gut etablierte Handelsabwicklung und führende Qualitätsinfrastruktur in Afrika
 
Rechtsanwalt und EMA-Vorstandsmitglied Dr. Stephan Jäger berät Unternehmen schon seit Jahren zu Exportgeschäften wie auch Unternehmensgründungen in Ägypten. So konstatierte er, dass es in dem 2017 verabschiedeten neuen Investitionsgesetz in Ägypten nur wenige Neuerungen für ausländische Investoren gebe. Hingegen verlaufe die Exportabwicklung und -finanzierung mit ägyptischen Banken gut eingespielt.
 
Nach Südafrika hat Ägypten den besten Stand der Qualitätsinfrastruktur auf dem afrikanischen Kontinent und führt damit noch vor Tunesien, so Christin Kulgemeyer, Leiterin der Arbeitsgruppe Nordafrika und Naher Osten der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB). Für die Ansiedlung und den Ausbau der verarbeitenden Industrie ist eine gut funktionierende Qualitätsinfrastruktur grundlegend, um in der Lage zu sein, internationale Normen im Welthandel zu erfüllen.
 
Bert Wibel, EZ-Scout der GIZ im Auftrag des BMZ entsandt an die IHK Potsdam, stellte die verschiedenen Fördermöglichkeiten des BMZ vor, die für ein privatwirtschaftliches Engagement in Ägypten existieren. Denn durch die Zusammenarbeit von Wirtschaft und Entwicklungspolitik lässt sich ein Entwicklungsmotor schaffen, wie dies bereits einige realisierte develoPPP.de-Projekte in Ägypten eindrucksvoll zeigen.
 
Michael Müller, Associate Director International Division der Berliner Sparkassen, schätzt den ägyptischen Finanzsektor im Kontext der Handelsfinanzierung als stabil ein. Er hob aber auch hervor, dass bisher nur rund fünfzehn Prozent der ägyptischen Bevölkerung ein Bankkonto besitzen.
 
Ein Highlight war der Erfahrungsbericht des deutschen Mittelständlers im Ägyptengeschäft. Nader Mansour, Sales Manager des Batterien- und Akkumulatorenherstellers BAE Batterien GmbH berichtete, wie das Unternehmen die turbulente Zeit der arabischen Revolution in Ägypten erlebte und die Unternehmensgeschäfte mit diesem wichtigen Zielmarkt nahezu unbeeinträchtigt fortführen konnte.
 
Bildquelle: VBKI, Inga Haar

Mitveranstalter:

EZ-Scout Evelin Ayadi-Krenzer

Verein Berliner Kaufleute und Industrieller

 

Mit freundlicher Unterstützung von :

IHK Potsdam