Bericht

"Eine Wahl des Herzens und der Vernunft"

Unter Beteiligung der bislang größten Delegation von über 150 algerischen Wirtschaftsvertretern und Entscheidungsträgern, die für ein zweitägiges Programm mit weiteren 150 deutschen Unternehmern in Hamburg zu Besuch waren, wurde der erste Wirtschaftstag Algerien seiner Art in Hamburg in Zusammenarbeit mit der Algerischen Botschaft in Berlin, der Algerischen Industrie- und Handelskammer (CACI), der Handelskammern Hamburg, der Algerischen Nationalagentur für Investitionsentwicklung (ANDI) sowie den Algerischen Industrie- und Energieministerien von der EMA in Hamburg mit größtem Erfolg ausgerichtet. Damit bot sich die ideale Plattform zum persönlichen Austausch und Erhalt von Informationen aus erster Hand zu Handelsbeziehungen, Partnerschaften und Projekte.

Deutsch-Algerische Wirtschaftsbeziehungen 

Eröffnet wurde der Wirtschaftstag mit einer ganztätigen Konferenz in der Handelskammer Hamburg durch Heinz Werner Dickmann, Stellvertretender Geschäftsführer der Handelskammer Hamburg, Dr. Abdelmajid Layadi, Generalsekretär der EMA, und S.E. Nor-Eddine Aouam, Botschafter der Demokratischen Volksrepublik Algerien in Berlin. Herr Dickmann sprach die bereits bestehenden fruchtbaren Wirtschaftsbeziehungen an, die eine „stabile Brücke zwischen beiden Ländern“ bildeten und betonte, dass die Erweiterung der Wirtschaftsbeziehungen großes Potential besitzt, da enorme Investitionsanstrengungen in Algerien erfolgen und hob hervor, dass großen Investitionen auf langfristigen, nachhaltigen Partnerschaften basieren, die durch langjährigen intensiven Handel entstehen.

                                                                         © EMA 2014

Der Wunsch nach einem Ausbau Algeriens zu einem konkurrenzfähigen Wirtschaftsstandort, wurde durch die mit 286 Mrd. US$ gefüllte Staatskasse unterlegt, an welchen auch deutsche Unternehmen durch Investition und Innovation teilhaben könnten. S.E. Aouam, Botschafter Algeriens in Berlin, bezeichnete die deutsch-algerischen Wirtschaftsbeziehungen als „eine Wahl des Herzens und der Vernunft“, denn die „Grundvoraussetzungen für eine florierenden wirtschaftlichen Austausch sind geschaffen“. Er lobte die EMA als wertvolle Organisation und für die Ausrichtung dieses Treffens, welches die Möglichkeit für deutsch-algerische Win-Win-Projekte schaffe. Weitere erfolgsversprechende Bereiche des wirtschaftlichen Austauschs beider Länder bilden der Transfer von Technologien und Knowhow.

Investitionsförderung für erfolgreiche Geschäftstätigkeiten in Algerien

Kheireddine Medjoubi, Generaldirektor Internationale Entwicklung des Industrieministeriums in Algerien, dankte der EMA für die Ermöglichung dieses Treffens und dem herzlichen Empfang der Delegation. Algerien habe seit etwa zehn Jahren große Baustellen im Land eröffnet und beginnt nun „die Früchte zu ernten, und dies ist erst der Anfang“. Als Strategien zur Wirtschaftsförderung nannte er Investitionsförderung, Rekonfiguration des öffentlichen Sektors mit Wirtschaftspartnerschaften und die Umstrukturierung des Gesetzes zur Mittelstands-förderung. Abdelkrim Mansouri, Generaldirektor der Algerischen Nationalagentur für Investitionsentwicklung (ANDI), appellierte in seiner Rede an die deutschen Unternehmen sich in den verschiedenen Bereichen zu engagieren und warb mit großen Investitionsvorhaben, vor allem in den Sektoren Energie und Infrastruktur, für Investitionspartnerschaften mit deutschen Firmen und den hohen dafür eingeplanten finanziellen Mitteln. Seine Agentur sei der ideale Partner und Wegbereiter für Investitionsprojekte deutscher Unternehmen und biete hohe Vergünstigungen für Investitionen in Algerien.

© EMA 2014

Diversifizierung – Modernisierung – Öffnung

Hassiba Sayah, engagierte Unternehmensberaterin von MDEconsult in Algerien und enger Partner der EMA, sprach von den sechs Trümpfen, die Algerien für ausländische Investoren bietet: eine vorteilhafte geographische Lage als „Tor zu Europa“, eine junge Bevölkerung, Algerien als ein aufsteigendes Land mit großen Projekten und den Devisenreserven diese ohne Schuldenaufnahme zu bewältigen, eine stabile politische Situation, eine hohe Investitionsförderung sowie geringe Betriebs- und Energiekosten. Hauptdiskussionspunkt waren die Vorhaben Algeriens in großem Umfang in die Erneuerbaren Energien einzusteigen, um so die Abhängigkeit Algeriens von seinen Öl- und Gasvorkommen abzuschwächen. Hier betonte Walid Djiar, Stellvertretender Direktor der Generaldirektion für Kohlenwasserstoffe des Energieministeriums Algeriens, die große Aufgabe und damit verbundenen Hindernisse. Algerien müsse sich diversifizieren, da eine reine Ausschöpfung der natürlichen Ressourcen nur zu Stagnation führe.
Mit Herr Schlichter, Senior Vice President Production North Africa, RWE Dea AG, und Dr. Krüger, Geschäftsführer, Solarlite CSP Technology GmbH, waren zwei inspirierende Unternehmer vertreten, welche einen direkten Einblick in ihre wirtschaftlichen Perspektiven und Erfahrungen mit Algerien gaben, darunter die Pläne der algerischen Regierung, die Wirtschaft weiter zu diversifizieren und dies geschickt mit Algeriens enormem Potential für Erneuerbare Energien zu verknüpfen.

Internationale Zusammenarbeit im Dienst der algerischen Wirtschaftsförderung

Nora Habib-Sadek, Stellvertretende Referatsleiterin Nordafrika, Naher und Mittlerer Osten des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie in Berlin, bezeichnete Algerien als den „Stabilitätsanker in der Region“ und betonte das Interesse Berlins an einem engen Austausch. Dr. Mohamed Ali Ould Sidi, Generaldirektor für den Maghreb der Internationalen Arbeitsorgani-sation (ILO), fügte dem hinzu, dass „die Gewinne von heute die Investitionen von morgen und die Investitionen von heute die Arbeitsplätze von morgen sind“ und entließ das Publikum mit der Frage: „Wo wollen wir in 5-10 Jahren sein?“

Netzwerken beim Business Dinner und EMA-Ehrenmitgliedschaft

Zum Abschluss des erfolgreichen Konferenztages mit anregenden Diskussionen, intensivem Austausch und Netzwerken wurde die Delegation zum Business-Dinner mit Branchennetworking im exklusiven Anglo-German-Club eingeladen. Nach einer Keynote von Herrn Klimke, MdB, Mitglied im Auswärtigen Ausschuss und Mitglied im EMA-Vorstand, zu deutsch-algerischen Beziehungen, Ausbaupotentialen und Besonderheiten Algeriens als Wirtschaftsstandort, wurden S.E. Aouam, Hassiba Sayah sowie Dr. Ould Sidi von der EMA besonders geehrt. Als krönender Abschluss überreichte Dr. Layadi, Generalsekretär der EMA, Herrn Abdelkrim Mansouri unter zustimmendem Beifall der teilnehmenden Gäste die Ehrenmitgliedschaft der EMA als Symbol der Dankbarkeit für sein außerordentliches Engagement für den Wirtschaftstag Algerien sowie als Zeichen für eine weiterhin fruchtbare Zusammenarbeit mit ANDI und natürlich Algerien.

 
 
© copyright H&R AG   © EMA 2014

Sicherheit, Nachhaltigkeit, Effizienz – Rahmenprogramm in Hamburg und Schwerin

Am Folgetag wählten die Teilnehmer der algerischen Delegation zwischen zwei parallel stattfindenden Rahmenprogrammen mit Empfängen, Präsentationen und Werksbesichtigungen von innovativen Unternehmen aus der Region. In Hamburg bot die aufschlussreiche Besichtigung der Raffinerie H&R Ölwerke Schindler AG, einem Mitglied der EMA und weltweit führenden Anbieter von Mischölen und Weichmachern mit hoher Umweltverträglichkeit, Spezialisation und Effizienz, einen hochinformativen Einblick in die Raffinerie. In Zusammenarbeit mit dem langjährigen EMA-Partner, der Industrie- und Handelskammer zu Schwerin, konnten parallel zwei lokale Unternehmen besucht werden. Dabei zeigte sich die Delegation besonders von dem Besuch bei DREHTAINER, einem Hersteller von Sicherheitscontainern u.a. für Krisenregionen, Notsituationen, Gefahrgutlagerung und Transport, beeindruckt. Auch die im Anschluss stattfindende Besichtigung von GreenLife GmbH, einem zukunftsorientierten Entwickler von Anlagen für Regenwasseraufbereitung und Abwasserrecycling stieß auf großes Interesse, welches in ersten Gesprächen zur Anbahnung eines deutsch-algerischen Joint Ventures mündete. Die Besuche waren ein voller Erfolg und boten der algerischen Delegation die Möglichkeit direkt vor Ort neue Kontakte und Geschäftspartner kennenzulernen sowie den Weg für weitere Geschäftstätigkeiten in und mit Algerien zu bereiten.

Ein derartiger Erfolg des Hamburger Wirtschaftstags Algerien wäre der EMA nicht ohne die großartige Unterstützung von Seiten der Kooperationspartner, Sponsoren, Referenten und Moderatoren gelungen. Daher möchten wir hier allen Beteiligten nochmals unseren herzlichen Dank aussprechen und hoffen auf ebenso erfolgreiche Kooperationen im Namen der deutsch-arabischen Wirtschaftszusammenarbeit in der Zukunft.

>> Hier können Sie den Bericht als PDF herunterladen