Das 3. Deutsch-Algerische Wirtschaftsforum

Voneinander für die Zukunft lernen

Bericht

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„In Algerien baut man sein Haus mit Steinen aus der Heimat.“ Mit diesen Worten eröffnete Christian Wiesenhütter, stellvertretender Geschäftsführer der IHK Berlin, das 3. Deutsch-Algerische Wirtschaftsforum am 26. September in Berlin. Zum Ende seiner Begrüßung ergänzte er, dass man sein Haus zwar mit Steinen aus der Heimat, aber auch mit der helfenden Hand eines Freundes baue. Genau dies war das Ziel der Veranstaltung, die zum intensiven Austausch, zum Voneinanderlernen und zum Kontakteknüpfen und -festigen anregte.

Den etwa 120 Teilnehmern aus Deutschland, Algerien und dem übrigen arabischen Raum bot das 3. Deutsch-Algerische Wirtschaftsforum ein Konferenzprogramm mit hochkarätigen Referenten. Diese teilten mit dem interessierten Publikum ihre Erfahrungen in Algerien in drei Panels zu den wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen, zur Agrarwirtschaft sowie zu Logistik und Infrastruktur.

Kleine und mittlere Unternehmen im Fokus der Zusammenarbeit

Vor allem zeigte das 3. Deutsch-Algerische Wirtschaftsforum, dass auf beiden Seiten großes Interesse an einer vertieften Zusammenarbeit vorhanden ist. Sprecher aus staatlichen Institutionen, Verbänden und Privatwirtschaft bekundeten in ihren Beiträgen den Wunsch, das Forum zum Aufbau nachhaltiger Beziehungen nutzen zu wollen. So mancher Teilnehmer und Referent erhielt viele Visitenkarten und wurde bereits zum näheren Kennenlernen nach Algerien eingeladen.

Inhaltlich war die Rolle kleiner und mittlerer Unternehmen ein wiederkehrendes Thema des Forums. Zwar wurden die wirtschaftlichen Kontakte zwischen Deutschland und Algerien in den letzten Jahren intensiviert, beschränken sich jedoch zumeist auf große industrielle Kooperationen. In Zukunft soll die Privatwirtschaft und vor allem der Mittelstand, der das Rückgrat der deutschen Wirtschaft bildet, enger in die deutsch-algerische Wirtschaftszusammenarbeit eingebunden werden. Auch in Algerien sollen kleine und mittlere Unternehmen gefördert werden. Erste Beispiele dafür, wie diese Rolle des Mittelstands aussehen könnte, lieferten mehrere deutsche Unternehmer, die im zweiten Panel über ihre Erfahrungen in den Branchen Sonnenenergie, Bewässerung und Landwirtschaft sprachen und auf die großen Potenziale Algeriens aufmerksam machten.

Auch die Vertreter des dritten Panels zum Thema Logistik und Infrastruktur präsentierten Algerien als dynamischen Standort. Benoit Schmitt, Regionaldirektor für Afrika der DB Engineering and Consulting GmbH, präsentierte Details zum Ausbau der Schieneninfrastruktur, während Jens Kutscher von den Erfahrungen der EMA-Delegationsreise nach Algerien berichtete und aktuelle Ausschreibungen aus Algerien vorstellte.

Das neue Investitionsgesetz und verbesserte Rahmenbedingungen

Ein weiteres zentrales Thema der Konferenz waren die Reformen der letzten Jahre und das dadurch verbesserte Investitionsklima in Algerien. Mounir Bourouba, Wirtschaftsattaché der algerischen Botschaft, präsentierte ausführlich die durch das neue Investitionsgesetz verbesserten Rahmenbedingungen. Zum einen biete das Gesetz eine einmalige Übersichtlichkeit, da alle Investitionsbestimmungen in einem einzigen Text zu finden seien. Zum anderen würden durch das Gesetz Steuer- und Zollvorteile geschaffen, die ausländische Investoren ermutigen sollen, in Algerien zu investieren. Auch die Vertreter des Bundeministeriums für Wirtschaft und Energie und des Auswärtigen Amtes blickten positiv auf die bilateralen wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Beziehungen. Hierbei wurde auch von deutscher Seite das neue Investitionsgesetz gelobt.

Darüber hinaus verwiesen sowohl die deutschen als auch algerischen Referenten auf die hohe Qualität und Zuverlässigkeit deutscher Technologie. Diese sei unverzichtbar, um die algerische Wirtschaft durch den Ausbau von Industrie, Tourismus und erneuerbaren Energien sowie die Industrialisierung der Landwirtschaft zu diversifizieren.

Differenzierte und kritische Debatten

Trotz des allgemein sehr positiven Tenors kamen die Sprecher und Teilnehmer des Forums auch gerne der Forderung von Boualem M’Rakach, des Präsidenten des algerischen Arbeitgeberverbandes (CAP), nach und führten differenzierte und kritische Debatten. Neben den vielen positiven Aspekten der deutsch-algerischen Beziehungen kamen somit auch Probleme und Hindernisse der Zusammenarbeit zur Sprache. Demnach wurde kritisiert, dass Deutschland zu spät sei. Andere europäische Länder wie Frankreich und Spanien seien in Algerien präsenter. Auch auf algerischer Seite zeigte man sich verwundert über die deutsche Zurückhaltung. Auf der anderen Seite erkannten die deutschen Referenten die großen Fortschritte Algeriens der letzten Jahre im Bezug auf das Investitionsklima an, erklärten aber zugleich, dass sich die Rahmenbedingungen für ausländische Investitionen noch weiter verbessern müssten. Vor allem die Regeln für eine algerische Mehrheitsbeteiligung in dort angesiedelten Unternehmen wurden intensiv diskutiert.

Am Ende der aufschlussreichen Konferenz zogen alle Sprecher ein positives Fazit. Schon die Tatsache, dass man sich treffe und austausche sei ein großer Erfolg, so Boualem M’Rakach. Für die Zukunft wünschten sich die Teilnehmer und Referenten weitere Wirtschaftsforen, auch mit anderen Themenschwerpunkten, um an den Erfolg des Forums anzuknüpfen. Dr. Heiner Hoogen, Geschäftsführer von Water and Soil Management GmbH, ergänzte als Fazit den Titel des zweiten Panels „Viel Land – Viel Potenzial“ um den Zusatz „viele Aufgaben“. Doch mit Steinen aus der Heimat und der helfenden Hand eines Freundes werden diese zu meistern sein. 

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