1. Hamburger Wirtschaftstag Sudan

Eckpunkte zur sudanesischen Wirtschaft

Eckdaten zur sudanesischen Wirtschaft

Das wirtschaftliche Entwicklungspotential des Sudans ist nicht ausgeschöpft und stellt einen lukrativen Markt für ausländische Investitionen dar. Der niedrige Entwicklungsstand des größten Afrikanischen Landes war vor allem auf den Nord-Süd-Konflikt zurückzuführen. Die Aufnahme der Erdölförderung im Jahr 1999, der im Jahr 2005 unterzeichnete Friedensvertrag und steigende Direktinvestitionen haben dazu geführt, dass die Wirtschaft des Landes heute spürbar wächst.

Internationale und regionale Beziehungen

Seit den neunziger Jahren verfolgt der Sudan durch seine Zusammenarbeit mit dem IWF eine auf Modernisierung abzielende Wirtschaftpolitik. Das Reformprogramm umfasst insbesondere die Privatisierung, Liberalisierung und Diversifizierung der Wirtschaft. Dabei spielte die Förderung der Infrastruktur der lange Zeit vernachlässigten Gebiete im Süden mittels Transferzahlungen eine wichtige Rolle.

Die besonderen Handelsbeziehungen zur Europäischen Gemeinschaft, die der Sudan als AKP-Staat (Afrika-Karabik-Pazifik-Staaten, eine Organisation aus 79 Staaten, viele davon ehemalige Kolonien europäischer Staaten) nach den Cotonou-Abkommen erhielt, wurden 2007 durch WTO-konforme Wirtschafts- und Partnerschaftsabkommen erweitert. Die biregionalen Abkommen (WPA) beinhalten nicht nur handelspolitische Instrumente, sondern assoziieren erstmals entwicklungs- und handelspolitische Aspekte. Insgesamt ist das WPA ein Instrument der Europäischen Gemeinschaft, die AKP-Staaten bei der Liberalisierung zu unterstützen und schrittweise in die Weltwirtschaft zu integrieren. Neben den WPA operiert die EU durch Instrumente, um Demokratie (ECHO-Programm) und Menschenrechte (EIDHR-Programm) zu fördern, um auf diesem Weg politische Stabilität, eine Voraussetzung für Prosperität, zu ermöglichen.

Seit 1994 ist der Sudan an dem Beitritt in die WTO interessiert. Legislative und kapazitive Voraussetzungen haben dies bislang nicht zugelassen.

Regionale Integration wird vor allem durch die Mitgliedschaft in der Afrikanischen Union und den Common Market for Eastern und Southern Africa (COMESA) realisiert. Letztere zeichnet sich durch den Eintritt zu einem Markt aus, der 19 Mitgliedstaaten umfasst. Der Sudan ist weiterhin Mitglied in 17 internationalen Organisationen.

Ressourcen

Die Landwirtschaft konstituierte traditionell 40% des BIP und 80% der Exporteinkommen, wobei dieser Sektor mit der Aufnahme der Erdölförderung an Gewicht verloren hat und heute nur noch 32,6 % erwirtschaftet. Weiterhin sind 80% der Bevölkerung in der Landwirtschaft tätig. Obwohl der Sudan im Süden über günstige klimatische Bedingungen und fruchtbare Böden verfügt, leben 40% der Bevölkerung unter dem Existenzminimum von 2 US-Dollar am Tag. Gründe sind unzureichende Veterinärstandards, Nachholbedarf im Wassermanagement, sowie hohe Transportkosten aufgrund von Stagnation im Ausbau des Transportsektors. Nach entsprechender Modernisierung wäre der Sudan sogar in der Lage, zu exportieren.

Gute Investitionsmöglichkeiten stellen Sudans Bodenschätze dar. Allen voran die Erdölbranche ist seit Ende der 90er Jahre zum bestimmenden wirtschaftlichen Sektor geworden und generiert den Hauptteil der Deviseneinahmen. Das tägliche Fördervolumen beträgt 480.200 Barrel pro Tag - Tendenz steigend. Das gesamte Erdölvorkommen wird auf 3 Mrd Barrel geschätzt. Im  April 2006 wurde mit einer 1,5 km langen Öl-Pipeline eine letzte Lücke für die Beförderung von Erdöl zum Hafen von Salam am Roten Meer geschlossen. Raffinerien und Pipelines werden weiter ausgebaut. Dies hatte zur Folge, dass 2008 erstmals die Industrie die Landwirtschaft gemessen am BIP (34,2%) übertraf.

Sudsüdan und Zentralsudan - höchstwahrscheinlich auch Darfur - verfügen über weitere Bodenschätze wie Gold, Gas, Uran, Diamanten, Eisen, Kupfer und andere industrielle Erze. Diese sind aber nur ansatzweise erschlossen.

Ebenso auf Vormarsch befindet sich der Dienstleistungssektor. Für das Jahr 2009 wurde hier mit 38,2 % der größter Teil des BIP erwirtschaftet - gefolgt von der Landwirtschaft mit 32,6% und der Industrie mit 29,2%.

Handelspartner

Die Haupthandelspartner des Sudans waren im Jahr 2008 Asien und die COMESA-Staaten.

Den Export dominierten dabei vor allem China (48%), Japan (32,2%) und Indonesien (5,3%). Die wichtigsten Importpartner waren China (20.3%), Saudi Arabien (8.5%), UAE (6.3%), Ägypten (5.6%), Indien (5.1%) und Italien (4.1%).

Neben Rohöl exportiert der Sudan hauptsächlich landwirtschaftliche Güter wie Baumwolle, Arabicum, Sesam, Zucker, Vieh und Nüsse. Importiert werden Maschinen, Textilien, Chemikalien, Finanzdienstleistungen, Baustoffe sowie veredelte Nahrungsmittel und Weizen.

Investitionspotential für deutsche Unternehmen

In allen drei Sektoren, Landwirtschaft, Industrie und Dienstleistungen, erweist sich der Sudan als erfolgsversprechender, prosperierender Standort für Investment - gerade für deutsche Unternehmen. Seit dem politischen Einlenken um mehr Sicherheit und Stabilität im Jahr 2005 und dem Ausbau der noch jungen Petroindustrie, führten ausländische Kapital-und Investmentströme zu einem starken Anstieg der Realen Wachstumsraten. Im Jahr 2007 betrug diese 10,2 % - und selbst nach der Wirtschaftskrise lag diese im Jahr 2009 noch bei plus 3,8%. Freilich war dies der sich noch entwickelnden Integration in die Weltwirtschaft und der Contenance auf den internationalen Finanzmärkten zu verdanken. Wirtschaftliches Wachstum zeichnet sich auch in Zukunft für den Sudan ab - und Deutschland genießt einen hervorragenden Ruf als Handelspartner im arabischen Raum.

Das staatlich proklamierte Ziel der sudanesischen Regierung, die Infrastruktur der peripheren Gebiete außerhalb Khartoums anzupassen, eröffnet ein optimales Tätigkeitsfeld für deutsche Unternehmen aus den Bereichen Verkehr sowie Telekommunikation. Die Infrastrukturmaßnahmen im Transportsektor umfassen den Ausbau von Straßen, Eisenbahnstrecken und Häfen. Allen voran ist der Neubau des Internationalen Flughafens Kharotum eines der bedeutendsten aktuellen Projekte. Denn dieser dient als Drehscheibe für den ganzen ostafrikanischen Raum. 

Interessante Investitionsmöglichkeiten für deutsche Unternehmen sind im Dienstleistungssektor der Ausbau des noch spärlichen Telekommunikationssektors.

Im Bereich Industrie kommen sicherlich der Petrosektor und der Gewinnung der Bodenschätze eine bedeutende Rolle zu. Allerdings ist die Förderung alternativer Energien erklärte Absicht der Regierung und kann daher als vielversprechender Markt für deutsche Unternehmen gesehen werden. Die Kraftwerkskapazitäten des Sudans sollen bis 2010 auf 5.500 MW vervierfacht werden. Das wichtigste Projekt ist dabei der im Jahr 2008 unter deutscher Kooperation realisierte Merowe-Damm, der insgesamt 1.250 MW liefern soll. Neben solchen Wasserkraftwerke spielt in Zukunft die Forcierung der Solar- und Windenergie eine wichtige Rolle, um den Energiebedarf zu decken. Die Erneuerbaren Energien haben in Deutschland fast mehr Umsatz als die Fahrzeugindustrie gemacht. Fachwissen, Forschung und Erfahrung in diesem Sektor machen deutsche Unternehmen nicht nur zu potentiellen, sondern dazu sehr geschätzten Handelspartnern.

Zu den staatlichen Maßnahmen, die darauf abzielen, ausländische Investitionen anzukurbeln, zählt die Einrichtung von Freihandelszonen. Den legislativen Rahmen bildet das Free Zones and Free Markets Law 1994, wonach den Investoren im Sudan folgende Punkte garantiert werden: Befreiung der Erwerbssteuer für einen Zeitraum von 15 Jahren, Ausklammerung der Einkommenssteuer der an den Projekten arbeitenden ausländischen Angestellten, Befreiung von Zöllen auf Güter - mit Ausnahme bestimmter Dienstleistungen, alle Immobilienaneignungen innerhalb der Freihandelszonen sind von Steuern befreit. Der freie Kapitalfluss wird garantiert.

Im Rahmen des „Hamburger Wirtschaftstags Sudan “ am 29.09.2010 möchten wir deutsche Unternehmen die Möglichkeit geben, die perspektivischen Entwicklungen des sudanesischen Wirtschaftsstandortes kennenzulernen, sich über Investitions- und Exportmöglichkeiten zu informieren und sich mit renommierten Experten aus Wirtschaft und Politik auszutauschen.