1. Hamburger Wirtschaftstag Syrien

Syriens Transformationsprozess als Chance für deutsche Unternehmen

Bericht

Unter reger Beteiligung syrischer wie deutscher Teilnehmer fand am 6. Juli im Plenarsaal der Handelskammer Hamburg der Wirtschaftstag Syrien statt. In Kooperation mit dem Honorarkonsulat Syrien wurden unter dem Motto „Investitions- und Handelsmöglichkeiten in einem sich öffnenden Markt“ gegenseitige Geschäftsmöglichkeiten erörtert und wichtige gesellschaftliche Kontakte geknüpft.

Stefan W. Dircks, Vorsitzender des Arbeitskreises Asien der Handelskammer Hamburg, begrüßte die Gäste mit Hinweis auf das verstärkte Interesse an Syrien, das anhand der vermehrten Delegationsreisen zum Beispiel unter der Schirmherrschaft von Guido Westerwelle dorthin anschaulich beobachtet werden kann. Vor allem der Wandel von einer Plan- hin zu einer sozialen Marktwirtschaft ebne den Weg in ein attraktives Investitionsland, so Dircks.

Im Anschluss daran begrüßte Hani Nasri, Honorarkonsul der Syrischen Arabischen Republik in Hamburg, die Teilnehmer und Referenten. Er pries sowohl Syrien als geschichtsträchtiges Land und Treffpunkt verschiedenster Kulturen, als auch die Schönheit der Stadt Hamburg und deren Status als Tor zur Welt. Er dankte der Handelskammer und den syrischen Teilnehmern mit dem Aufruf, die an diesem Tag gewonnenen Erfahrungen zu verbreiten und die Zusammenarbeit zu fördern.

Dass von Seiten der Unternehmer in Hamburg ein großes Interesse an dem Ausbau der wirtschaftlichen Beziehungen mit Syrien besteht, betonte Martin Köppen, Amtsleiter Internationales, Energie und Wirtschaftsförderung, Behörde für Wirtschaft und Arbeit Hamburg. Vor allem im Sektor erneuerbarer Energien sieht er große Kooperationsmöglichkeiten. Der Wirtschaftstag Syrien solle dazu dienen, dass mehr Syrer und syrische Unternehmen in Hamburg Fuß fassen.

Saeb Nahas, Geschäftsführer der Nahas Enterprises Group, Ehrenmitglied der EMA und Exklusivsponsor der Veranstaltung, betonte die langjährige deutsch-syrische Freundschaft und äußerte seine Hoffnung auf weitere erfolgreiche Kooperation zwischen diesen beiden Partnern, vor allem im Bezug auf die Erweiterung der Infrastruktur in Syrien.

Nach diesen einstimmenden, Erfolg verheißenden Grußworten wurde unter der Moderation von UN-Koordinator a.D. Taoufik Ben Amara der erste Block mit dem Vortrag von Herrn Christian Glosauer eröffnet.

Dieser berichtete in seiner Rolle als Reisekorrespondent der German Trade and Investment von seinen Erfahrungen  mit dem sympathischen Land Syrien und dessen gut gebildeter Bevölkerung. Des Weiteren zeigten die von ihm präsentierten Zahlen die positive Leistungsbilanz mit Deutschland, wobei sich ein allgemeiner nominaler Zuwachs in den Beziehungen zwischen Syrien und Deutschland erkennen ließ.

Dass Syrien mit seinem enormen Handelsvolumen einen breiten und weiten Markt bietet, der so den europäischen Markt dazu anregt, sich für syrische Produkte zu öffnen, erkannte Prof. Dr. Mtanios Habib, Präsident der EMA in Syrien und Minister for Petroleum and Mineral Ressources a.D. sowie Professor an der Universität Damaskus . Weiterhin bemerkte er, dass Syrien aufgrund seiner geographisch vorteilhaften Lage als Brücke der Freundschaft, Zusammenarbeit und der gemeinsamen Interessen dienen soll.

Ergänzend hielt Dr. Alexander Tettenborn seinen interessanten Vortrag zum Thema allgemeine Rahmenbedingungen zum Standort Syrien mit spezieller Berücksichtigung auf die Bildung. So besitzen nach Tettenborn 22% aller syrischen Professoren einen deutschen Abschluss, was die syrisch-deutsche Verknüpfung auf Bildungsebene erkennen lässt. Weiterhin betonte er die guten Rahmenbedingungen Syriens, die sich unter anderem im  Investitionsschutz und dem Doppelbesteuerungsabkommen darstellen.

In der anschließend angeregten Diskussion wurden zahlreiche Fragen der Teilnehmer von den ausgewiesenen Experten beantwortet.

Im zweiten Themenblock, moderiert von Dr. Abdallah Nassour von der Universität Rostock, gingen die Referenten detailierter auf die rechtlichen und finanziellen Rahmenbedingungen ein. Einleitend beschrieb Dr. Magdy El Menshawy, Leiter der GTZ Syrien, unter anderem die gestiegene Relevanz des privatwirtschaftlichen Sektors und den damit verbundenen ausbaufähigen Mikrofinanzmarkt. Zusätzlich beschrieb er viele durch deutsche Beteiligung und Förderung verwirklichte oder im Aufbau stehende Projekte, die zum Beispiel durch die GTZ selbst, den DAAD oder andere Einrichtungen unterstützt wurden.

Wilhelm Icke von der Deutschen Investitions- und Entwicklungsgesellschaft berichtete darauffolgend konkret von der Arbeit und den Aufgaben des Unternehmens, die vor allem die langfristige Finanzierung zur Unterstützung und Förderung syrischer Unternehmen vorsehen. Des Weiteren stellte er Public-Private-Partnership-Programme vor, die die Schulung des Personals und Managements vorsehen und deren Kosten zu 50%  von der BMZ abgedeckt werden.

Die rechtlichen Rahmenbedingungen wurden abschließend von Dr. Stephan Jäger (Amereller Rechtsanwälte) mit Blick auf die geschichtlichen Hintergründe erläutert, in dem er unter anderem detailliert auf Vertriebs- und Investitionsrecht einging, aber auch problematische rechtliche Situationen bei der Streitbeilegung beleuchtete.

Danach konnten die Teilnehmer die bis dahin neugewonnenen Informationen beim Mittagessen auf sich wirken lassen und nutzten die Zeit zwischen den Vorträgen auch dafür, um geschäftliche Kontakte zu knüpfen und den deutsch-syrischen Austausch aktiv zu betreiben.

Frisch gestärkt wurde dann der dritte Block eingeläutet, der durch Heinz W. Dickmann von der Handelskammer Hamburg moderiert wurde und der an Saeb Nahas übergab. Dieser stellte im Bezug auf Infrastruktur, Umwelt und Energien zahlreiche Projekte in Syrien mit europäischer Beteiligung dar. Er erörterte diesbezüglich detailliert die entsprechenden Pläne und Vorhaben und betonte, dass für weitere Projekte im Energie- und Abwassersektor Ausschreibungen folgen werden.

Volker Knauth stellte darauf hin die Euler-Hermes-Kreditversicherungs-AG vor und thematisierte unter anderem allgemeine Voraussetzungen und Risiken. Er ließ erkennen, dass seit 2009 verbesserte Deckungsmöglichkeiten nach Syrien bestehen, diese jedoch in Syrien zahlenmäßig noch vergleichsmäßig gering und ausbaufähig sind.

Gute Rahmenbedingungen für das Umweltbusiness in Syrien konstatierte auch Dr. Abdallah Nassour von der Universität Rostock, welcher klare Möglichkeiten zum Markteintritt der deutschen Wirtschaft in Syrien vor allem im Bereich der Weiterqualifikation erkannte. So zeigte er anhand konkreter Beispiele, wie syrische Entscheidungsträger und Führungskräfte nach Deutschland zur fachspezifischen Fortbildung geschickt werden und so als aktives Bindeglied zwischen den zwei Ländern agieren.

Auch der vierte Block wurde von Heinz W. Dickmann moderiert, der Dr. Salam Said von der Universität Bremen das Wort übergab. Diese richtete den Blick auf beide Seiten der Textil- und Bekleidungs- und Olivenölproduktion: Sowohl die komparativen Vorteile der beispielsweise relativ günstigen Produktionsbedingungen und der guten geographischen Lage, als auch  Barrieren, wie zum Beispiel hohe Zölle und andere Abgaben, wie auch die Herausforderung mit kleinen Familienunternehmen konfrontiert zu werden, fanden in ihrem Vortrag Ausdruck.

Rechtsanwalt Oussama Al Agi (Kanzlei AL-AGI) und vom Syrian German Business Center, vermittelte im nächsten Beitrag nicht nur Einblicke und praktische Hinweise in den syrischen Leicht-Industrie-Sektor, sondern rief die Anwesenden auch dazu auf, die kulturellen Eigenheiten des Orients nicht zu übergehen, da dies vereinzelt auch zu Missverständnissen führen könne. Er appellierte an die Zuhörer, nun den günstigen Zeitpunkt zu nutzen um in Syrien zu investieren, da die modernisierte Wirtschaftsgesetzgebung und der dortige Arbeitsmarkt sich attraktiv für deutsche Unternehmen gestalte.

Der erfolgreiche und informationsreiche Wirtschaftstag Syrien wurde durch Florian Jäckel von der MSC, der zweitgrößten Containerreederei der Welt, abgeschlossen. Jäckel beschrieb die Vorteile der Seefracht als kosteneffektivstes und sicherstes Transportmittel und erläuterte den konkreten Ablauf und die MSC-Verbindungen nach Lattakia und Tartous, die wirtschaftlich wichtigsten Häfen in Syrien.

So wurde die Veranstaltung mit der großen Hoffnung der Teilnehmer auf verstärkte Zusammenarbeit zwischen deutschen und syrischen Unternehmen abgeschlossen, und im Anschluss daran rege die Gelegenheit genutzt, Kontakte zu knüpfen und auszutauschen. Dies kann wohl als klares Zeichen eines erfolgreichen Tages gewertet werden. Auch die EMA zeigte sich sehr zufrieden mit dem Ablauf des Wirtschaftstages und freut sich darauf, auch weiterhin zwischen den EMA-Ländern zu vermitteln.

 
Von Vanessa Orlik