Hamburger Wirtschaftstag Türkei

Eckpunkte zur türkischen Wirtschaft

 Die Türkei bildet den Knotenpunkt zwischen Europa und Asien. Nach dem ersten Weltkrieg formte der Staatsgründer Mustafa Kemal Atatürk aus dem türkischen Teil des Osmanischen Reichs eine laizistische Republik nach europäischem Vorbild. Die Fläche der Türkei ist etwa doppelt so groß wie Deutschland, gleichzeitig leben aber nur ungefähr 73 Millionen Menschen im Land.

Nach einem starken Wirtschaftswachstum zu Beginn des Jahrzehnts (2004 9,4 %) wurde auch die Türkei von der weltweiten Wirtschaftskrise getroffen und das BIP sank 2009 um 4,7 %. Im Jahre 2010 setzte der Aufschwung wieder ein und das Wirtschaftswachstum wird auf 6,8 % prognostiziert.[1] Die Türkei ist damit eine der am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften in der OECD.

Eine beschleunigte Privatisierung verbunden mit Reformen in den Bereichen Landwirtschaft, Energie, Telekommunikation und Finanzwesen haben die positive Entwicklung im ersten Halbjahr 2010 weiter verstärkt. Die Zuwächse betreffen dabei vor allem das produzierende Gewerbe, die Bauwirtschaft und den Außenhandel, während in der Dienstleistungsbranche ein relativ geringer Anstieg zu verzeichnen ist. Hier wiesen der Finanzsektor mit 6,8% und der Bereich Transport und Kommunikation mit 10,8% die größten Steigerungen auf.[2]

Deutschland ist einer der wichtigsten Handelspartner der Türkei. Was die Importe in die Türkei betrifft, so kommt Deutschland nach Russland und China an dritter Stelle. Die starke Position Russlands erklärt sich dabei vor allem aus den Energieeinfuhren. Unter den Zielländern für türkische Exporte nimmt Deutschland sogar den ersten Platz ein.

 
In folgende Branchen bieten sich deutschen Firmen gute Investitionsmöglichkeiten:

Umwelttechnologie und erneuerbare Energien: Mit dem rasanten türkischen Wirtschafts-wachstum ging auch ein verstärkter Energiebedarf einher. Dieser wird bislang hauptsächlich durch Importe aus Russland gedeckt. Um die Abhängigkeit von Energieeinfuhren zu verringern, versucht die türkische Regierung ihre Potentiale im Bereich der erneuerbaren Energien zu erschließen. Projekte in der Wind- und Wasserkraft spielen dabei die größte Rolle. Mit der Liberalisierung des Strommarktes und investitionsfreundlichen Gesetzen entsteht hier ein hochinteressanter Markt für deutsche Unternehmen. In den letzten zehn Jahren ist auch ein gesteigertes Umweltbewusstseins und die Nutzung von saubereren und effizienteren Technologien zu beobachten. Die türkische Regierung fördert Investitionen in Umwelttechnologien.

Logistik und Transport: Die Türkei fungiert als Logistikdrehkreuz zwischen dem Nahen Osten, Zentralasien und Europa. Der Anstieg des weltwirtschaftlichen Handelsvolumens hat zu einem Boom im türkischen Logistiksektor geführt. Die Regierung unterstützt dies durch eine Reihe von Maßnahmen, welche die Verkehrsinfrastruktur des Landes sicherer und effizienter machen sollen. Hierzu gehört die Verlagerung des Gütertransports auf die Schiene und die Umgestaltung großer Häfen zu Logistikzentren. Beim Bau und Betrieb großer Verkehrsprojekte sollen vorrangig öffentlich-private Partnerschaftsmodelle umgesetzt werden.

Maschinenbau: Die Türkei hat eine führende Position in der Automobil-, Elektro- und Kunststoffindustrie erlangt. Der Ausbau dieser Industrien geht mit einer großen Nachfrage nach modernen Maschinen einher. Der türkische Maschinenbausektor wird von der türkischen Regierung besonders gefördert. Investoren im Maschinenbausektor können daher eine Reihe von Förderprogrammen in Anspruch nehmen.

Lebensmittelindustrie: Dank günstiger ökologischer und klimatischer Bedingungen verfügt die Türkei über einen bedeutenden Agrarsektor und ist der größte Exporteur von landwirtschaftlichen Produkten in Nahost und Afrika. Das Land gehört zu den sechs größten Weizenexporteuren der Welt. Darüber hinaus belegt die Türkei in den Weltmärkten eine Spitzenposition bei der Produktion von Hülsenfrüchten, Nüssen und getrockneten Früchten. Mit seinem enormen landwirtschaftlichen Potenzial bietet die Türkei eine große Vielfalt an Obst und Gemüse, so dass die Lebensmitteverarbeitungsindustrie zu den wachstumsstarken Sektoren der türkischen Agrarindustrie zählen.

Automobilindustrie, Textilindustrie, Gesundheitswesen und Tourismus stellen weitere wichtige Wirtschaftssektoren in der Türkei dar.

 
Politische, kulturelle und akademische Partnerschaften

Seit 1999 ist die Türkei EU-Beitrittskandidat. Deutschland hat an der Heranführung der Türkei an die Europäische Union ein besonderes Interesse: Die europäische Perspektive stärkt den Prozess der Reformen in der Türkei. Die Türkei spielt zudem eine maßgebliche Rolle für die Stabilität in der Region, die internationale energiepolitische Zusammenarbeit und die Förderung des Dialogs zwischen den Kulturen.

Zwischen Deutschland und die Türkei wächst der Kultur- und Wissensaustausch. 2010 ist Istanbul, gemeinsam mit Essen und dem Ruhrgebiet sowie dem ungarischen Pécs europäische Kulturhauptstadt. Gleichzeitig feiern Istanbul und Berlin das 20-jährige Bestehen ihrer Städtepartnerschaft. Die Türkei gehört zu den wichtigsten Partnerländern in der deutschen Hochschulzusammenarbeit mit dem Austausch von Studierenden und Wissenschaftlern als wichtigstem Instrument. Diese Kooperation wird durch verschiedene bilaterale Projekte im Bereich Forschung und Technologie erweitert. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung hat verschiedene Initiativen mit der Türkei ergriffen, u.a. eine Kooperation mit dem türkischen Rat für Wissenschaft und Technik (TÜBITAK).

 


[1] Germany Trade and Invest:, Mai 2010
[2] Zahlen aus „Wirtschaftstrends Türkei“, Jahreswechsel 2010 / 2011, Germany Trade and Invest