1. Deutsch-Tunesisches Wirtschaftsforum

Eckpunkte

Seitdem am 17. Dezember 2010 in Tunesien Massenproteste gegen die hohe Arbeitslosigkeit  und für mehr politische Freiheit ausbrachen, hat sich die politische Situation des Landes verändert.  Nach der Flucht des tunesischen Präsidenten Ben Ali ins saudi-arabische Exil, rief die tunesische Regierung den Ausnahmezustand aus und Fouad Mebazaa wurde zum Übergangspräsidenten berufen. Das unter seiner Führung neu gebildete Übergangskabinett sieht sich nun der Aufgabe gegenübergestellt innerhalb von sechs Monaten Neuwahlen vorzubereiten.

Deutschland sieht sich in jeder Hinsicht als Partner Tunesiens und möchte sich aktiv am Aufbau demokratische Strukturen beteiligen. Im Rahmen seines offiziellen Staatsbesuchs  am 12. Februar 2011 traf Außenminister Guido Westerwelle neben den amtierenden Ministerpräsidenten Mohamed Ghannouchi,  Vertreter aus Wirtschaft und Zivilgesellschaft.  Vor allem im Energiebereich sieht die deutsche Bundesregierung Möglichkeiten für konkrete wirtschaftliche Zusammenarbeit. Zusätzlich soll tunesischen Produkten der Zugang zu europäischen Märkten erleichtert werden.

Der Abschluss der Barcelona Deklaration 1995 stellte einen wichtigen Schritt für den Ausbau multilateraler Strukturen zwischen der EU und zwölf Saaten der Mittelmeerregion, unter anderem Tunesien dar. Die Entscheidung in finanzieller, wirtschaftliche und kultureller Hinsicht verstärkt zu kooperieren, führte im Januar 2008 zur Integration Tunesiens in die Europäische Freihandelszone.

Die tunesische Wirtschaftspolitik basiert auf strategischen Fünfjahresplänen. Der aktuelle Plan (2007 bis 2011) stellt den Menschen in den Mittelpunkt der Entwicklung und formuliert Ziele wie Steigerung des Wirtschaftswachstums und des Pro-Kopf-Einkommens, Verringerung von Arbeitslosigkeit und Armut und eine verbesserte Position Tunesiens auf dem Human Development Index. Dies erfordert eine wachstums- und beschäftigungswirksame Wirtschaftspolitik, die Innovationen, Unternehmensgründungen, nachfrageorientierte Ausbildung sowie Umwelt- und Ressourcenschutz einschließt.

Trotz politischer Umbrüche wird die tunesische Wirtschaftslage als stabil eingeschätzt.Bis zur Mitte des Jahrzehnts hat die tunesische Wirtschaft ein beachtliches Wachstum an den Tag gelegt. 2007 stieg das BIP um 6,3%. [1] Durch die globale Wirtschaftskrise musste Tunesien eine Verlangsamung des Wirtschaftswachstums, jedoch keine starken Einbrüche hinnehmen. Selbst die Auswirkungen der schwierigen wirtschaftlichen Lage in Europa wirkte sich nicht so heftig wie befürchtet auf die tunesische Exportindustrie aus. Im Jahr 2009 hat sich das BIP um 3,0% gesteigert, 2010 wird eine Steigerung um 3,7% und für 2011 sogar ein Zuwachs um 4,8% prognostiziert. [2]

Die wichtigsten Importgüter sind Roh- u. Halbwaren(39%), Investitionsgüter(21%), Energie u. Schmierstoffe(16%), 14% Konsumgüter(14%) und Lebensmittel(11%). [3]In den ersten 10 Monaten des Jahres 2010 sind die deutschen Ausfuhren nach Tunesien gegenüber dem Vorjahr um 36,7% auf 1,34Mrd. Euro gestiegen. [4]

Export wird vor allem in den Sektoren Roh- u. Halbwaren(36%), Textilien u. Lederwaren(26%), Energie u. Schmierstoffe(17%), Elektronik(16%), und Mineralstoffe u. Phosphate(13%) betrieben. [5] Fast 80 % der Exporte in die EUsind Industrieprodukte. Laut einer Studie von Ernst & Young aus dem Jahr 2008 ist Tunesien der wichtigste  Industrieexportpartner der Europäischen Union im südlichen Mittelmeerraum. Zudem gilt Tunesien als das Land am südlichen Rand des Mittelmeers mit der höchsten Wettbewerbsfähigkeit und zog im letzten Jahrzehnt in dieser Region die meisten Industrieunternehmen mit europäischer Beteiligung an. Tunesien erwirtschaftet 50% seines BIP aus der Exporttätigkeit und ist somit dem Ausland gegenüber sehr offen. [6]

 


[1] Germany Trade&Invest: Wirtschaftsdaten kompakt: Tunesien, Stand November 2010
[2] Germany Trade&Invest: Wirtschaftsdaten kompakt: Tunesien, Stand November 2010

[3] Tunesienprofil der bpb

[4] Germany Trade&Invest: Investoren in Tunesien hoffen auf neue Ordnung

[5] Tunesienprofil der bpb

[6] Ernst&Young: Looking for growth? Industrie in Tunisia (Studie 2008)