DAs 3. Deutsch-Arabische Frauenforum

Glück, Mut und Macht: Frauen als Schlüssel für erfolgreiche Wirtschaft

Bericht

© Deutschland – Land der Ideen/Lorenz Widmaier

Glück, Mut und Macht lauteten die Leitthemen des 3. Deutsch-Arabischen Frauenforums, zu dem der Euro-Mediterran-Arabische Länderverein EMA mehrere Hundert Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft nach Berlin geladen hatte. Damit verließ die EMA ausgetretene Pfade und ermutigte das Publikum zu einem Perspektivenwechsel. Elke Ferner, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, brachte diesen Dreisatz in ihrem Grußwort stimmig zum Klingen: „Wer das eigene Glück sucht und selbst bestimmen will, was das eigene Glück ist, muss den Mut haben, Macht einzufordern und Macht zu übernehmen.“ Seine Exzellenz, der Botschafter der Vereinigten Arabischen Emirate, Ali Abdulla Mohamed Saeed Alahmed, erinnerte im Panel zu der Frage „Was bedeutet Glück?“ an die Unabhängigkeitserklärung der USA von 1776, in der das Streben nach Glück als Recht aller Menschen verankert ist. Sein Land hat dem Glück sogar ein eigenes Ministerium gewidmet, das seit seiner Einführung von einer Frau geleitet wird. Das Glück der Menschen zur Regierungspolitik zu erheben, wurde von den Podiumsgästen als mutiger Schritt bewertet.

Glück, Mut und Macht liegen nah beieinander

„Mut auf neuen Wegen“ offenbarte ein weiteres Panel. Die Frauen auf dem Podium erlaubten einen persönlichen Einblick in ihre beeindruckenden Biographien. Ganz gleich ob Nouzha Skalli, die ehemalige Frauenministerin Marokkos und Mitverfasserin des reformierten Familiengesetzbuchs Moudawana, oder Viola Klein, die preisgekrönte Unternehmerin, die der Elternzeit für Väter zunächst nicht viel abgewinnen konnte, bis sie feststellte, dass die Männer in ihrem IT-Unternehmen nach ihrer Rückkehr aus der Vaterzeit deutlich besser organisiert waren: Sie alle machten deutlich, dass Männer nichts zu verlieren, wohl aber viel zu gewinnen haben, wenn Frauen größere Partizipationsrechte eingeräumt werden.Den Umgang mit Niederlagen thematisierte die libanesischstämmige Profi-Boxerin Rola El-Halabi. Trotz einem sehr persönlichen Schicksalsschlag kehrte sie gestärkt in den Ring zurück und gewann drei Weltmeisterschaften.

Mut auf ihrem eigenen Weg bewies auch Mounira Latrache, die Leiterin des YouTube Creator Space in Berlin. Sie unterstrich, dass man als Frau die eigene Karriere schon früh entfalten können sollte – so wie Männer auch. Es gibt unzählige qualifizierte Frauen, mit denen sich offene Stellen besetzen lassen können. Gerade in der Medienbranche. Davon zeugte die lebhafte Panel-Diskussion zum Thema „Frauen – Macht – Medien“, in der die Fernsehjournalistin und ehemalige Direktorin des NDR-Landesfunkhauses Hamburg Maria von Welser feststellte: „Die Zahl mittelmäßiger Männer, denen ich in meinem Berufsleben begegnet bin, ist Legion.“ An einer irgendwie mangelnden Zahl ausreichend qualifizierter Frauen könne eine Quotenregelung jedenfalls nicht scheitern.

An den Frauen führt kein Weg vorbei

„Schon heute sind mehr als die Hälfte aller Hochschulabsolventen in vielen arabischen Ländern Frauen“, betonte EMA-Präsident Christian Wulff, Bundespräsident a.D. In den letzten zwei Jahrzehnten hat sich die Rolle der Frau weltweit stark verändert. Heute sitzen in den Regierungen, in den Parlamenten und an den Gerichten vieler dieser Länder mehr Frauen als jemals zuvor an verantwortlichen Stellen.

Im Rahmen des Forums wurde auch das Engagement von Frauen als Unternehmerinnen gewürdigt. Die wirtschaftliche Teilhabe von Frauen stand im Vordergrund der Diskussionen. Und Frauen, die eine Arbeitsstelle haben, die mithin ihr eigenes Geld verdienen, nehmen ihr Leben eher als selbstbestimmt und als glücklich wahr als andere Frauen, konstatierte die Soziologie-Professorin und Arbeitsmarktforscherin Jutta Allmendinger, PhD. Frauen müssen ihre Chancen bewusst gemacht werden. Ländlichen Frauen ebenso wie Hochschulabsolventinnen. Das gilt in den arabischen Ländern noch mehr als in Deutschland – selbst wenn bei allen augenfälligen Unterschieden viele Frauen hier wie dort vor ähnlichen Herausforderungen stehen. Insofern trug das Forum dazu bei, auch in Deutschland ein Bewusstsein für die vielfältigen unternehmerischen Aktivitäten arabischer Frauen zu schaffen.

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Auszeichnung für das Mentoring-Projekt Ouissal

Im Publikum saßen auch die Teilnehmerinnen am deutsch-arabischen Mentoring-Projekt Ouissal. An ihre Adresse gewandt sagte Julia Arnold, Leiterin der Abteilung Internationales beim DIHK: „Sie sind Vorbild und Botschafterinnen für andere Frauen und zukünftige Generationen.“ Denn das Projekt hatte im Wettbewerb „Deutschland – Land der Ideen“ den Preis als „Ausgezeichneter Ort 2016“ erhalten. Für die feierliche Verleihung der Auszeichnung an EMA-Geschäftsführerin Clara Gruitrooy bildete das Forum den idealen Rahmen. Diese Veranstaltung sei bereits die Laudatio, lobte Anke Müller als Vertreterin der Wettbewerbsagentur. Sie zeige ebenso wie das Projekt Ouissal selbst, wie wir als Gemeinschaft zusammenleben, wie wir Nachbarschaft leben wollen.

Die EMA hatte Ouissal 2012 in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und im Rahmen der Transformationspartnerschaft des Auswärtigen Amts initiiert. Das Projekt stärkt die wirtschaftliche und gesellschaftliche Teilhabe und den interkulturellen Austausch von Frauen in Deutschland, Tunesien und Marokko. Es beinhaltet gezielt das wechselseitige Lernen voneinander und richtet sich vor allem an junge Start-up-Unternehmerinnen mit dem Ziel nachhaltiger wirtschaftlicher Entwicklung. Die deutschen und arabischen Tandem-Partnerinnen arbeiten gemeinsam am Ausbau der unternehmerischen Aktivitäten in so unterschiedlichen Branchen wie Recycling, IT und Biokosmetika. Neben dem konkreten Beitrag zur wirtschaftlichen Stabilisierung und zur Beschäftigung von Frauen dient Ouissal zudem der Sichtbarkeit von Unternehmerinnen in der öffentlichen Wahrnehmung und dem interkulturellen Dialog.

Ouissal bedeutet im Arabischen so viel wie „Verbindung von Gleichgesinnten“. In diesem Sinne baut die EMA Brücken übers Mittelmeer, um deutsche und arabische Unternehmerinnen miteinander zu vernetzen. Und die EMA konnte mit einer guten Nachricht aufwarten: Das Projekt Ouissal wird dank der Förderung durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung auch über 2016 hinaus verlängert. Dem Gedanken der Verbundenheit zwischen den Ländern verlieh Monia Rizkallah, Violinistin an der Deutschen Oper, mit einem eigens arrangierten Stück musikalisch Ausdruck, indem sie die Nationalhymnen Deutschlands, Marokkos und Tunesiens miteinander verwob.

Das deutsch-arabische Frauennetzwerk wächst

Das stetig wachsende deutsch-arabische Frauennetzwerk zeigt, dass die EMA auch über Ouissal hinaus eine Lücke in der deutsch-arabischen Zusammenarbeit füllt. Mit dem Frauenforum sei der EMA ein erfrischendes Veranstaltungsformat gelungen, meinte etwa die saudi-arabische Journalistin und ehemalige Chefsprecherin der Englisch-Abteilung der Jeddah Broadcasting Station Samar Fatany: „Für die Wirtschaft und für den Fortschritt ist es absolut notwendig und wichtig, die Expertise von Frauen einzubinden und zu versuchen, Lösungen für die Probleme und Herausforderungen zu finden, denen wir uns heute in unserer Region gegenübersehen.“

Zur Zahl des Tages avancierte übrigens die 50. Mehr als eine Referentin, mehr als ein Referent ging auf diese Größe ein, beschreibt sie doch in Prozent den Anteil der weiblichen Bevölkerung. Man könne die Beiträge von Frauen nicht ignorieren. Man könne die Hälfte der Ressourcen nicht ungenutzt lassen. An Frauen – so viel steht fest – kommt die wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Deutschland und den arabischen Ländern nicht vorbei.

Eine gemeinsame Veranstaltung mit