Das 4. Deutsch-Arabische Frauenforum

Success Story Unternehmerinnen: Perspektivenwechsel zum Erfolg

Bericht

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Der Ehrengast des 4. Deutsch-Arabischen Frauenforums in Berlin, I.E. Sheikha Hend Bint Faisal Al Qassemi, zeigte sich beeindruckt von Deutschland, seinem hochentwickelten sozio-ökonomischen Niveau und seinem wirtschaftlichen Erfolg, der kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs in der „Stunde Null“ undenkbar schien, nicht ohne hinzuzufügen: „Nur Länder mit einem hohen Maß an Toleranz können Fortschritte erzielen.“ Sie stand damit exemplarisch für unterschiedliche „Perspektiven auf die Welt“, um die es im ersten Panel des Forums ging, zu dem die EMA mehrere Hundert Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Unternehmen und Verbänden, aus Diplomatie und Politik, aus Medien, Kultur und Gesellschaft eingeladen hatte.
 
I.E. Sheikha Hend kam eine verbindende Rolle zwischen den Panels des Tages zu. Sie skizzierte die Entwicklung ihres Heimatlands, der Vereinigten Arabischen Emirate, anhand der sich wandelnden Rolle von Frauen in der emiratischen Wirtschaft. Noch vor fünfzig Jahren bestimmten Fischfang und Perlentauchen das tägliche Leben in Dubai und Abu Dhabi. Während die Männer häufig das Land verlassen hätten, um andernorts Arbeit zu suchen oder Geld zu verdienen, hätten emiratische Frauen zuhause unter oft schwierigen Bedingungen nicht nur ihre Haushalte, sondern auch das Land geführt. Sie schufen sich ihre eigenen Communities und Unternehmerinnen-Netzwerke, lehrten einander, wie man finanziell unabhängig werden konnte, und bewiesen sich als hart arbeitende und produktive Teilnehmerinnen am Wirtschaftsleben.
 
„Look West and think East“
 
Mit ihren Worten inspirierte I.E. Sheikha Hend auch das zweite Panel „Lebenslanges Lernen“. Nur mit kontinuierlichem und fokussiertem Lernen könne man auf neue Situationen richtig angepasst reagieren. Dabei müssten Körper und Geist gemeinsam fit gehalten werden.
 
Die Unternehmerin und Philanthropin betonte die Notwendigkeit von Dialog und Kooperation über Grenzen hinweg. In ihrer eigenen Arbeit verfahre sie nach dem Motto: „Look West and think East.“ Den Austausch zwischen den Volkswirtschaften zu fördern ist eine der Kernaufgaben der EMA, deren Arbeit I.E. Sheikha Hend ausdrücklich lobte:
 
„Die Zukunft ist weiblich“
 
Dr. Maria Flachsbarth, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) lobte diese Kernkompetenz der EMA sogleich. Verbunden mit einem besonderen Dank an die Aktivitäten der EMA ergänzte sie: „Wir müssen die Vernetzung und den Austausch von Frauen fördern.“ Denn trotz der extrem niedrigen Beschäftigungsrate von Frauen in den Ländern der Mittelmeer- und Nahostregion gelte: „Die Zukunft ist weiblich.“
 
Dass bereits die Gegenwart weiblich ist, zeigt die EMA mit dem durch das BMZ geförderten deutsch-arabischen Mentoring-Programm Ouissal. Seit 2012 bringt es Unternehmerinnen aus Deutschland, Tunesien und Marokko zusammen und generiert weit mehr als nur wirtschaftlichen Fortschritt. Wirtschafts- und Strukturförderung gehen hier Hand in Hand mit internationaler Verständigung und dem Empowerment von Frauen. EMA-Präsidentin Gabriele Groneberg, MdB a.D., konstatierte in ihrer Eröffnungsrede folgerichtig: „Aus dem anfangs zarten Pflänzchen Ouissal ist mittlerweile ein stattlicher Baum geworden.“ Sie dankte Frau Dr. Flachsbarth stellvertretend für das BMZ für die gute und erfolgreiche Zusammenarbeit und verwies auf die dank Ouissal erhöhte Sichtbarkeit und Vorbildfunktion der jungen Unternehmerinnen aus Tunesien und Marokko.
 

Lebenslanges Lernen
 
Die Ouissal-Teilnehmerinnen bewiesen denn auch die Vielseitigkeit von Gründerinnen mit ihren Pitches und Ausstellungsständen. In dynamischen Impulsvorträgen stellten die jungen Unternehmerinnen ihre erfolgreichen Unternehmen und ambitionierten Strategien vor. Von Straßenbau über Robotik bis hin zu biologisch angebautem Olivenöl und moderner Textilindustrie – eines haben die Teilnehmerinnen gemeinsam: Sie schaffen Jobs und Hoffnung für andere junge Frauen und Männer. Sie sind Vorbilder und ganz wesentliche Motoren für die wirtschaftliche Entwicklung und Bildung von Perspektiven in ihren Heimatländern und darüber hinaus.
 
„Ouissal ist in seiner Art einzigartig. Durch die interkulturelle Komponente und den virtuellen Austausch über Grenzen hinweg können sowohl Mentees als auch Mentorinnen weit mehr voneinander lernen als in einem nationalen oder gar betriebsinternen Programm. Es ist diese Augenhöhe und die Erkenntnis, dass wir so viel voneinander lernen können und schlussendlich als Führungskräfte alle ähnlichen Herausforderungen gegenüber stehen, die Ouissal so besonders machen“, erläutert die Initiatorin und EMA-Generalsekretärin Clara Gruitrooy. Darum nehme Ouissal auch immer Mentorinnen beidseits des Mittelmeers auf. Denn Lernen ist keine Einbahnstraße.
 
Deutsch-arabische Perspektiven auf die Welt
 
Ob eine Quote zur größeren Teilhabe von Frauen am Wirtschaftsleben beitragen kann, wurde im Panel „Perspektiven auf die Welt“ zum bestimmenden Thema. Britta Sandberg, Auslandschefin beim Spiegel, stellte fest, dass sich seit 2010 die Kultur in der Redaktion verändert hätte. Heute gebe es mit 42 Prozent mehr als doppelt so viele Frauen in Führungspositionen und fast alle Ressorts seien mit einer Doppelspitze aus Männern und Frauen besetzt. Das habe die gesamte Arbeitsatmosphäre positiv verändert: „Zu Beginn war ich eine Gegnerin der Frauenquote, denn die Leistung war das, was für mich zählte, nicht ein Freiplatz. Doch sie ist das Beste, was dem Spiegel passieren konnte. Mit der Einbeziehung von Frauen änderten sich die Gesprächsthemen und die Sichtweise der männlichen Kollegen.“
 
„Kein Wettbewerb zwischen Männern und Frauen, sondern zwischen denen, die es verstanden haben, und denen, die es noch verstehen müssen“
 
Ida Beerhalter, Co-Vorsitzende des saudi-arabischen Investitionsunternehmens IOME und zugleich Vizepräsidentin der NGO Astia in den USA, unterstützt mit Astia nur Firmen mit mindestens einer weiblichen Gründerin im Team. Auch sie hob die Bedeutung von Erziehung und Bildung hervor, um Frauen Gleichberechtigung zu ermöglichen. Es gehe nicht um einen „Wettbewerb zwischen Männern und Frauen, sondern zwischen denen, die es verstanden haben, und denen, die es noch verstehen müssen.“ Die ehemalige jordanische Industrieministerin I.E. Maha Al Ali pflichtete bei und warb dafür, der Vereinbarkeit von Beruf und Familien einen größeren Stellenwert beizumessen – politisch wie sozial.
 
In ihrer Keynote-Rede zeigte sich I.E. Nouzha Skalli, Marokkos engagierte Frauenministerin a.D., zuversichtlich: „Ich werde bis zu meinem letzten Tag für die Gleichstellung der Frau kämpfen.“ Für ihre deutlichen Worte und ihren fortgesetzten Einsatz für die Förderung von Frauen in den arabischen Ländern erhielt sie viel Beifall aus dem Publikum.
 
Es ist ein Kernanliegen der EMA, Grenzen zu überwinden, voneinander zu lernen und auf Gemeinsamkeiten hinzuweisen. Das in den vergangenen Jahren stetig gewachsene deutsch-arabische Unternehmerinnennetzwerk bot somit auch in diesem Jahr eine einzigartige Plattform für den Austausch. Nun ist es Aufgabe von Politik und Privatwirtschaft gleichermaßen, die Zukunft dieser Zusammenarbeit aktiv mitzugestalten. Die EMA steht dabei in der ersten Reihe.

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