Das Logistikforum für die ema-region

Erfolgreiche Etablierung eines neuen Fachforums der EMA

Bericht

Weiterentwicklungen in der Logistik tragen zu besseren Handelsbeziehungen bei – noch mehr sogar als Zollsenkungen. Da Statistiken und Berichte über Optimierungspotentiale aber nicht immer zuverlässig sind, bedarf es Foren wie dem Logistikforum für die EMA-Region, um tatsächliche Gegebenheiten, Potentiale und Probleme zu ermitteln, zu diskutieren und zu optimieren. Mit dieser Erkenntnis hieß Heinz W. Dickmann als Gastgeber und Vertreter der Handelskammer Hamburg die Teilnehmer des ersten EMA-Logistikforums willkommen.

Prof. Dr. Horst H. Siedentopf wies als EMA-Präsident besonders auf die großen Potentiale der Region hin und betonte die Bedeutung der Logistik bei der optimalen Nutzung und Förderung dieser Ressourcen. Die Bedeutung und Aktualität der Thematik lieferte den Anstoß für die EMA das Thema Logistik in ihre Arbeit aufzunehmen und so eine weitere Dimension der wirtschaftlichen Entwicklungszusammenarbeit zugunsten ihrer Partner und Mitglieder zu etablieren.

Die EMA-Region nimmt für Deutschland eine besondere Rolle als Brücke nach Asien und Afrika ein, wie die Vertreterin des Schirmherrn, Frau Birgitta Worringen, betonte. Daher habe Deutschland großes Interesse daran, die (Handels-)Beziehungen zu dieser Region weiter auszubauen, was die EMA im Allgemeinen und das Forum im Speziellen sich zum Ziel gesetzt haben. Auch Bundesverkehrsminister Dr. Ramsauer schreibt in seinem Grußwort für die speziell zum Logistikforum veröffentliche Ausgabe von Mediterranes, „Logistik ist eine zentralen Voraussetzungen für lebhaften Handel und weltweiten Wohlstand“.

 

Logistik in der EMA-Region

In einer globalisierten Welt sieht der Logistiksektor sich neuen Herausforderungen ausgesetzt, welche nur gemeinsam bewältigt werden können. Kosta Sandalci von UTIKAD betonte dabei die besondere Rolle der Türkei, die, wie er augenzwinkernd bemerkte, in der Mitte der Welt angesiedelt ist. Nicht zuletzt auf Grund dieser strategischen Lage wächst die Wirtschaft stetig. Eine hohe Binnennachfrage bietet ausgezeichnete Absatzmärkte für deutsche Produkte. Begünstigt wird der Handel zusätzlich durch die relativ gut ausgebaute Infrastruktur, welche durch eine Vielzahl neuer Projekte beständig optimiert wird.

Eine ebensolche Vielzahl neuer Projekte besteht auch in Nordafrika. Rüdiger Erb von Dachser Intelligent Logistics hob die positive Wachstumsrate der Region hervor, welche das Interesse von Investoren wecke. Auch seien die Handelsbeziehungen aufgrund von bestehenden Abkommen, der strategisch günstigen Lage für Europa und der Masse von jungen, hochmotivierten Arbeitskräften bereits sehr gut und müssten weiter ausgebaut werden. Speziell das Großprojekt Tanger-Med in Marokko kam bei den Referenten immer wieder zur Sprache. Nach seiner Fertigstellung werde der Hafen eine wichtige Schnittstelle für den weltweiten Schiffverkehr und einen starken Konkurrenten für europäische Häfen darstellen.

Der seit Längerem in Dubai ansässige Unternehmer Reinhard Wind erläuterte wie die Nachfrage nach qualitativ hochwertigen Produkten am Golf steigt. Die Marke „Deutschland“ sei gefragt in Dubai und diese Nachfrage fordere deutsche Unternehmen auf aktiv zu werden. Die intensive Weiterentwicklung der gesamten Infrastruktur in der Region, besonders durch zahlreiche Hafenprojekte, und die sich daraus ergebenden neuen Möglichkeiten für den Handel wecken das deutsche Interesse, wie sich in der lebhaften Diskussion im Anschluss an das Panel zeigte.

 

„Green-Logistics“ – ein Thema auch in der EMA-Region ?

Die Ernennung Hamburgs zum Green Capital 2011 hatte auch Einfluss auf die Logistikbranche. Zwar laste der Logistik noch immer ein schlechter Ruf an, wenn es um Umweltschutz gehe, jedoch bestehe in Hamburg die grundsätzliche Überzeugung von der Notwendigkeit einer nachhaltigen Logistik und einige große Logistikunternehmen hätten erfolgreiche Projekte ins Leben gerufen zur Verbesserung der Nachhaltigkeit im Transport. Bei der offenen Diskussion im zweiten Panel bestand Einigkeit darüber, dass Nachhaltigkeit immer auch eine finanzielle Frage sei.

Der finanzielle Aspekt spiele auch in Jordanien eine große Rolle, wie Dr. Loay Salhieh von der German Jordan University anhand seiner im Vorfeld durchgeführten Feldforschung feststellte. Anlässlich des Logistikforums entwickelte er eine Nachhaltigkeitsstrategie, die er einigen Unternehmen in Jordanien vorlegte. Im Ergebnis konnte er festhalten, dass das Thema Nachhaltigkeit in den Köpfen der Menschen noch nicht so stark verankert sei und es auch an rechtlichen Vorgaben fehle, weshalb bei jordanischen Unternehmen die Bereitschaft zu finanziellen Aufwendungen zugunsten des Umweltschutzes noch gering sei. Das scheinbare Paradoxon zwischen Logistik und Umweltschutz bzw. zwischen schnellem und günstigem Transport auf der einen Seite oder umweltfreundlichem, aber zunächst etwas langsamerem und aufwendigerem Transport auf der anderen Seite, sei oft noch ein Hindernis. Deutschland arbeitet bereits intensiv daran, beide Aspekte zu vereinen. Entscheidend sei dabei auch die Nachfrage und Erwartungshaltung der Konsumenten hinsichtlich Geschwindigkeit und Kosten für ihre Lieferung.

 

Sicherheitsaspekte – große Herausforderungen für Logistiker weltweit

Das Thema Sicherheit im Transport ist aktueller denn je und dementsprechend groß war das Interesse unter den Teilnehmern. Die zahlreichen Probleme, denen Logistiker sich besonders nach dem 11. September 2001 gegenüber sehen wurden anhand von anschaulichen Beispielen aus dem Alltag von Hellmann Worldwide Logistics durch Redner Hans-Peter Grage erläutert. Die Verpflichtung der Logistikbranche zur eingehenden Prüfung jedes einzelnen Transports anhand umfangreicher Regulierungen und Embargo-Listen generiert einen enormen administrativen Aufwand.

Beachtliche finanzielle Aufwendungen der Branche werden aktuell im Bereich der Transportsicherheit unternommen, wie Prof. Dr. Thorsten Blecker, Lehrender an TU Hamburg Harburg und Koryphäe auf seinem Gebiet, erklärte. Es werde in steigendem Maße schwieriger für Logistiker den zunehmenden Regelungen zur Aufsicht und Kontrolle zu entsprechen und gleichzeitig eine effiziente Supply Chain zu gewährleisten. Diese Ansicht wurde in der lebhaften Diskussion nach dem Panel bekräftigt. Ohne Zweifel bestünden, wie der Referent einräumte, Sicherheitsprobleme bei Transporten. Er kritisierte aber, dass neue Regelwerke nicht immer aus logistischen Sicherheitsmängeln resultierten, sondern oftmals Ergebnis politischer Erwägungen seien.

 

Logistik live erleben – das EMA-Rahmenprogramm

Den zweiten Tag der Veranstaltung verbrachten die Teilnehmer am Flughafen Hamburg, wo anhand einer Modellschau und einer Rundfahrt auf dem Gelände das Umweltkonzept des Flughafens durch den Umweltbeauftragten Jan Bradersen anschaulich und kompetent erläutert wurde. Die vielen Fragen der Teilnehmer spiegelten das große Interesse wider und auch beim anschließenden Lunch im Mövenpick Top-Deck wurde noch immer lebhaft über den Vormittag diskutiert. Die Möglichkeit zu ausführlichen Gesprächen zwischen den Teilnehmern in entspannter Atmosphäre am Rande des Besuchs trug ebenso, wie schon der Roundtable am Abend des 29.11.2011, maßgeblich zur guten Stimmung und zur Zufriedenheit der Teilnehmer und damit zum Erfolg des Rahmenprogramms und des Logistikforums insgesamt bei.

Das erste Logistikforum für die EMA-Region bot seinen Teilnehmern fundierte und interessante Informationen und Kontakte, womit, wie EMA-Präsident Prof. Dr. Horst H. Siedentopf abschließend bemerkte, auch diese Veranstaltung an die vorangegangenen erfolgreichen Veranstaltungen der EMA anknüpfte. Der Erfolg der Veranstaltung bekräftige die EMA in ihrer Arbeit und ihrer Entscheidung für einen neuen thematischen Schwerpunkt, dessen Grundstein mithilfe der hochrangigen Partner und Referenten und der Unterstützung des Schirmherrn, Dr. Peter Ramsauer, gelegt werden konnte.

Von Rima Al-Tinawi