Das Maghreb-Forum der EMA

Die EMA als Initiatorin für länderübergreifende Kooperation und Entwicklung

Bericht

Im Dezember 2010 begann in Tunesien, was im Laufe des Jahres 2011 als „arabischer Frühling“ bekannt geworden ist. Seit Anfang des Jahres 2011 haben sich die Proteste in der EMA-Region (Nordafrika und Nahost) ausgeweitet und auch der Maghreb sieht sich mehr denn je großen Umbrüchen gegenüber: Jedes Land der Maghreb-Region ist mit ganz individuellen Auswirkungen konfrontiert und dennoch stehen die Länder auch vielen gemeinsamen Herausforderungen gegenüber.

Eines der Leitziele der EMA ist es, dass –neben dem interregionalem Austausch- vor allem der  Ausbau der innermaghrebinischen Zusammenarbeit bedeutsam ist. Das Maghreb-Forum der EMA vom 19. Oktober in Berlin bot hierfür die ideale Möglichkeit, um unter hoher maghrebinischer und fachkundiger Beteiligung über zukünftige Kooperation in und mit der Region zu diskutieren. Neben starken institutionellen und wirtschaftlichen Partnern kam besonders dieZusammenarbeit mit und Präsenz der fünf maghrebinischen Botschaften einem diplomatischen Erfolg gleich.

Die hohe politische Anerkennung des Forums wurde auch durch die Schirmherrschaft des Bundesministers für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Dirk Niebel, unterstrichen. Der Bundesminister nahm in seinem Grußwort Bezug zum Titel des Forums Deutschlands Wirtschaft für einen starken Maghreb: Einvernehmlich mit EMA-Präsident Prof. Dr. Siedentopf, stellte er fest, dass es „ohne wirtschaftliche Entwicklung keine erfolgreiche Transformation geben wird“ und sie somit gerade jetzt für eine nachhaltige Entwicklung der Region prekär ist.

Deutschlands Wirtschaft für einen starken Maghreb

Die Managerin des Forums, Clara Gruitrooy, hob hervor, dass insbesondere die deutsch-maghrebinische Zusammenarbeit viel zur Entwicklung des Maghreb beitragen kann und auch Deutschland stark von einer regionalen Öffnung des Maghreb profitieren würde. In Deutschland herrsche großes Interesse an der deutsch-maghrebinischen Zusammenarbeit und viel Potential für deren Ausbau. Abderrachid Ghimouz (Präsident der Handelskammer Seybouse/Algerien) zufolge werde Deutschland in der Region als Wirtschaftspartner sehr geschätzt. 

 

Dennoch, so hob Dr. Ulf-Dieter Klemm (Botschafter a.D.) hervor, ist die Deutsche Wirtschaft im Maghreb nicht in der Stärke vertreten wie sie es sein könnte – oder sollte. Somit ist es kaum verwunderlich, dass die Referenten, ebenso wie der Schirmherr des Forums, verstärkt zum Ablegen der „Scheu vor Investitionen“ ermutigten. Auch Afaf Otman Khamerza (International Arbitration Centre Libya), welche eigens aus Libyen angereist war, betonte, dass es nun Zeit für die deutsche Wirtschaft sei sich in der Region stark zu machen. Die momentanen Entwicklungen, so Khamerza, würden bisherige internationale Verträge nicht außer Kraft setzen und auch das neue Regierungssystem würde die Schiedsgerichtsbarkeit, welche ein wichtiger Faktor für gute wirtschaftliche Zusammenarbeit ist, bestmöglich unterstützen. Deutschlands Unternehmen können, so die Referentin, zum wirtschaftlichen Aufschwung und somit auch zu mehr Stabilität, in der Region beitragen.

Intermaghrebinische Integration

Wie die EMA mit ihrem Maghreb-Forum betonte, baut ein starker Maghreb allerdings nicht alleine auf deutsch-maghrebinischer Kooperation auf, sondern hängt vor allem von der innermaghrebinischen Integration ab. Hierzu wurden in den verschiedenen Panels des Forums Möglichkeiten für eine innermaghrebinische Kooperation in Augenschein genommen und diskutiert. In diesem Zusammenhang stellt sich automatisch die Frage nach der Rolle der Maghreb-Union (Union du Maghreb Arabe). Die Union, welche im Februar 1989 gegründet wurde, um die wirtschaftliche Integration des Maghreb voranzutreiben, steckt allerdings aufgrund von politischen Differenzen in jahrzehntelanger Stagnation. Im Zuge der momentanen Umbrüche im Maghreb kam die Hoffnung auf, dass sich die internen Blockaden auflösen und die Maghreb-Union eine Revitalisierung erfahren würde. Die Union hatte schon früh ein starkes Interesse am Maghreb-Forum der EMA bekundet. Jedoch lässt ihre kurzfristige Absage Zweifel aufkommen, ob sie ihre bekannte Lethargie in naher Zukunft wird ablegen können.

Weitere wichtige maghrebinische Vertreter wiederum nutzen das Forum um zu verdeutlichen, dass es durchaus Alternativen zur Maghreb-Union gibt: Zum Einen verdeutlichte Abdessamad Filali, Präsident der  Union des Jeunes Euro-Maghrébins (UJEM), dass UJEM sich für einen integrierten, friedvollen Maghreb einsetze. Ähnlich wie die EMA hat UJEM zum Ziel den Austausch, die Menschenrechte und den Pluralismus in der Region zu verankern. Zum Anderen hob auch der Generalsekretär der Union Marocaine du Travail, El Miloudi El Mokharek, hervor, dass die Gewerkschaft Raum für Dialog zwischen den ArbeitnehmerInnen in der Maghreb-Union schaffen will. Die Gewerkschaft will so eine bessere Zusammenarbeit der Maghrebstaaten gewährleisten. Es bleibt also große Hoffnung bestehen, dass neben dem internationalen Engagement auch wirtschaftliche, politische und sozio-kulturelle Integration ausgebaut werden wird und einen starken Maghreb mit sich ziehen wird.

Cooperation and Development

Das Maghreb-Forum hat zum Bewusstsein beigetragen, dass nicht nur der Maghreb ein Interesse an der Zusammenarbeit hat, sondern dass auch Deutschland von einer engen wirtschaftlichen Verflechtung mit dem Maghreb profitiert. Somit hat das Forum der EMA durch seinen sektorenübergreifenden und überregionalen Charakter einen wichtigen Grundstein für die vertiefte deutsch-maghrebinische Zusammenarbeit gelegt. In diesem Sinne wurde der Rahmen des Forums genutzt, um Kooperationsverträge zwischen der EMA und drei maghrebinischen Partnern zu unterzeichnen – der Union des Jeunes Euro-Maghrébins (UJEM), der Industrie- und Handelskammer Casablanca/ Marokko und der Industrie- und Handelskammer Seybouse/ Algerien.  Mit diesen und anderen Partnern vor Ort wird die EMA zahlreiche regionale, sowie überregionale, Projekte initiieren und so ihren Ruf als Mittlerin der Kulturen und kompetente Partnerin für die Wirtschaft weiter festigen.


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