Das 3. Maghrebforum

„Tun, nicht nur planen“

Bericht

„Tun, nicht nur planen“ - Darüber waren sich wohl alle Teilnehmer des 3. Maghrebforums einig.

Seit einigen Jahren erleben die maghrebinischen Länder einen umfassenden Wandel. Sowohl politisch als auch wirtschaftlich wird die Rolle der Volkswirtschaften untereinander als auch zu Europa neu definiert. Rund 150 hochrangige Vertreter aus Wirtschaft und Politik folgten deshalb der Einladung der EMA zum 3. Maghrebforum in der Landesvertretung der Freien und Hansestadt Hamburg beim Bund. Schwerpunkt des Forums war das Agribusiness, welches in der Region vielversprechende Prognosen zeigt. Vom Erzeuger bis zum Endverbraucher liegen unzählige Schritte in der Wertschöpfungskette, die deutschen und maghrebinischen Unternehmen vielfältige Impulse für die Zusammenarbeit geben.

"Die Welt wächst zusammen"

Eröffnet wurde die Veranstaltung vom Gastgeber Dr. Rolf Bösinger, Staatsrat der Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation der Freien und Hansestadt Hamburg, der die historischen Handelsbeziehungen der Hansestadt hervorhob. Christian Wulff, EMA-Präsident und Bundespräsident a.D., sprach von dem noch großen Bedarf an Kooperation zwischen Europa und der Mittelmeerregion. In einer zunehmend globalisierten Welt, hätten Europa und vor allem Deutschland „die Chance ein Vorbild für andere Länder zu sein“ und Verantwortung zu übernehmen. Dem schloss sich auch Jean-Louis Guigou, Generalbevollmächtigter des Insitut de Prospective Économique Du Monde Méditerranéen (IPEMED) an. Die Mittelmeerländer und Afrika hätten großes Potenzial, welches aufgrund mangelnder europäischer Initiative oft ungenutzt bliebe. Aus diesem Grund stelle die Arbeit von EMA und IPEMED einen unerlässlichen Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung der Region dar. Hierbei sprach er von der Bedeutung des Begriffs der gemeinsamen Aktion (frz. coproduction) welcher impliziert, dass man die Länder der Region „nicht als Kunden sondern als Partner“ behandelt.

© EMA e.V.
   

Als eines der Highlights der Veranstaltung unterzeichneten Jean-Louis Guigou und Christian Wulff eine Absichtserklärung zwischen EMA um IPEMED, um gemeinsam im Barcelona-Prozess aufzutreten. Da die „Wirtschaft schneller als die Politik“ sei, könnten beide Organisationen durch ihre Arbeit maßgeblich zur regionalen Integration des Mittelmeerraums beitragen.

"Die Wirtschaft ist schneller als die Politik"

Der neue tunesische Botschafter, S.E. Elyes Kasri, begrüßte die Partnerschaft der beiden Organisationen und betonte, dass beide sehr gut in den Rahmen der tunesischen Entwicklungsambitionen passten. Seit den 1960er Jahren habe es gute deutsch-tunesische Beziehungen gegeben, die es aufrechtzuerhalten und weiterzuentwickeln gelte. Dies bestätigte auch Mohamed Fadhel Hassayoun, Vertreter des tunesischen Ministeriums für Entwicklung, Investition und internationale Kooperation, der einen Einblick in die jüngsten Entwicklungen der bilateralen Kooperation gewährte.    

© EMA e.V.

   

Über die Potenziale und Herausforderungen der Region sprachen Heiko Wildner vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) und Andreas Fiedler vom Auswärtigen Amt. Trotz der teils angespannten politischen Situation gäbe es viele Ressourcen und den „demographischen Bonus“ der mehrheitlich jungen und gut ausgebildeten Bevölkerung. Ziel der deutschen Politik und Wirtschaft müsse es daher sein, sowohl (rechts)staatliche Strukturen als auch die regionale Wirtschaft zu stärken.

Die Botschafter von Marokko und Algerien, S.E. Omar Zniber und S.E. Nor-Eddine Aouam, sprachen über agrarpolitische Reformen sowie Entwicklungspotenziale und Investitionsmöglichkeiten in ihren Ländern. Trotz der hohen Nachfrage nach deutschem Know-how, hätten deutsche Unternehmen vergleichsweise wenig in der Maghreb-Region investiert.

Dirk Ahlers, Gründer und Aufsichtsratsvorsitzender der EMA-Mitgliedsfirma FRoSTA AG, erzählte von den Erfahrungen des Unternehmens in der Region und mahnte an, man müsse interkulturelle Schwierigkeiten überwinden, um die vorhandenen Chancen zu nutzen. Mohammed Raied, Gründer und Vorstandsvorsitzender der Al Naseem for Food Industries in Misurata, Libyens größtes Privatunternehmen, sprach über die wirtschaftspolitische Situation in seinem Land. Die Lage sei weit besser, als es in den Medien den Anschein habe: Es sei „weitestgehend ruhig“ und die Infrastruktur funktioniere ebenfalls. Libyen sei reich an Ressourcen, welche aufgrund der Konzentration auf Erdölexporte bisher vernachlässigt worden waren. Als Vorsitzender des Dachverbands der libyschen Handelskammern lud er deutsche Unternehmen dazu ein, „Libyen eine Chance zu geben“.

Finnbogi Baldvinsson, Geschäftsführer von Pickenpack Europe sowie Alexander Julius, Geschäftsführer von EMA-Mitgliedsfirma Envitec Engineering GmbH, stellten umweltfreundliche Technologien in Fischzucht und Düngerwirtschaft vor, wonach Jens-Martin Kremer die Arbeit der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) präsentierte.

"Es fehlt der Mut zum Investieren"

Die Teilnehmer der Abschlussrunde betonten vor allem die Notwendigkeit zum Handeln. Man habe „die Pflicht, eine gemeinsame Zukunft aufzubauen“ und müsse daher aktiv aufeinander zugehen. Investitionen und wirtschaftliche Kooperationen wären zum beiderseitigen Vorteil, denn es gäbe „Platz für alle Firmen, vor allem für deutsche“. Deutschland und Europa sollten eine wichtige Rolle nicht nur in der industriellen, sondern auch in der landwirtschaftlichen Entwicklung der Region spielen, denn es könne „kein entwickeltes Land ohne entwickelte Landwirtschaft geben“. In diesem Sinne lud der Botschafter des Königreichs Marokko, S.E. Omar Zniber, Deutschland dazu ein, „mutiger, kühner und visionär zu sein“.