Das 1. Mittelmeer-Forum

Auf dem Weg hin zu einer neuen Mittelmeerpartnerschaft!

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„Wir müssen das Narrativ unserer Beziehungen neu erzählen!“ Mit diesen Worten betonte der ehemalige Generalsekretär der Union für den Mittelmeerraum (UfM) S.E. Fathallah Sijilmassi in seiner Eröffnungsrede zum 1. Mittelmeer-Forum der EMA, wie wichtig neue Ansätze der Kooperation in der Mittelmeer- und Nahostregion für alle beteiligten Parteien seien. Die EU sollte sich mehr in Richtung Süden wenden – etwa im Hinblick auf Handel und Investitionen oder Frauen und Jugendliche. Gerade junge Unternehmerinnen und Frauen in Führungspositionen seien ein Gewinn für die Mittelmeerregion. Er zeigte sich hoch erfreut über das deutsch-arabische Mentoringprogramm Ouissal, das die EMA ins Leben gerufen hat. „Doch unsere Kooperation sollte sich nicht nur auf die wirtschaftliche und politische Ebene beschränken, sondern auch eine akademische Dimension haben“, warb er etwa für eine kontinuierliche Erweiterung des Erasmus-Programms auf die südlichen Mittelmeeranrainer.

Neue Impulse für die euro-mediterrane Kooperation

Mit der marokkanischen Intelcia-Managerin Nadia Ben Bahtane saß später eine ehemalige Ouissal-Mentorin auf dem Podium des Mittelmeer-Forums. Sie berichtete davon, wie sie als erste marokkanische Frau die Meerenge von Gibraltar durchschwamm und damit eine symbolische Verbindung zwischen Europa und Afrika herstellte. Die schafft auch ganz real ihr Arbeitgeber Intelcia, einer der größten an gleich mehreren afrikanischen Standorten. „Intelcia investiert umfangreich in Ausbildung, Coaching und Unterstützung für die Entwicklung von Talenten und verfolgt eine starke interne Förderungs- und Mobilitätspolitik“, so Ben Bahtane.

EMA und ihre Mitglieder können Vorreiterrolle einnehmen

In seiner Rede skizzierte EMA-Vizepräsident Dr. Abdelmajid Layadi, wie insbesondere die anwesenden Gäste im Publikum ihre relevante Expertise den Ländern des südlichen Mittelmeers anbieten könnten: „Ganz gleich, ob es um die Bereitstellung und den Aufbau notwendiger Infrastruktur oder um die Modernisierung der Industrie, um den Aufbau eines modernen Bildungssystems oder um institutionelle Reformen und die Entwicklung von Institutionen geht, ich bin überzeugt, dass Sie als Teilnehmerinnen und Teilnehmer dieses Forums eine wichtige Rolle bei der Gestaltung der neuen Wege der euro-mediterranen Partnerschaft übernehmen können.“

S.E. Dr. Jawad Al Anani, Jordaniens Vizepremier und Außenminister a.D., rief dazu auf, keine Angst vor Kooperation zu haben. Die Völker des Mittelmeerraums interagieren seit vielen tausend Jahren miteinander. Jetzt gelte es, der chinesischen und US-amerikanischen Rolle in der Region etwas entgegenzusetzen. Er verwies beispielhaft auf den Aufbau von Schulen für berufliche Bildung und den Übergang von rentenbasierten zu produktiven Volkswirtschaften.

Förderung von Investitionen in Chancenmärkte des 21. Jahrhunderts

Carolin Welzel, Leiterin „Internationale Organisationen“ bei der EMA-Partnerin Agentur für Wirtschaft und Entwicklung AWE, gab direkt im Anschluss gute Beispiele dafür, wie ein solcher Übergang aus Deutschland und Europa begleitet werden könnte. Sie stellte die vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) kürzlich initiierten Programme AfricaConnect und AfricaGrow im Rahmen des Entwicklungsinvestitionsfonds (EIF) sowie die Sonderinitiative Ausbildung und Beschäftigung ebenso vor wie das bewährte develoPPP.de-Programm, das ebenfalls dieses Jahr einige Änderungen erfahren hat. Mit diesen Initiativen unterstützt die Bundesregierung insbesondere den Eintritt deutscher mittelständischer Unternehmen in ausländische Chancenmärkte. Nähere Informationen finden Interessenten auf der Website des BMZ hier.

Das von der EMA in Partnerschaft mit der AWE, der Commerzbank und dem Dachverband der mediterranen Handelskammern ASCAME organisierte Forum widmete sich schließlich in einer lebhaften Podiumsdiskussion den Realitäten und Herausforderungen der wirtschaftlichen Situation im Mittelmeerraum. Deutschlands Botschafter in Tunesien, Dr. Andreas Reinicke, lobte sein Gastland für den gut organisierten Übergang und warb dafür, „Tunesien als Chance“ zu begreifen, etwa im Bereich des IT- und KI-Offshorings. Den Bedenken, dass der intermaghrebinische Handel wegen der ungelösten Situation zwischen Marokko und Algerien stagniere, begegnete S.E. Nor Eddin Aouam, Algeriens Botschafter in Deutschland, in einer Wortmeldung hoffnungsvoll: Beide Länder hätten eine der stärksten bilateralen Außenhandelsbeziehungen in der Region.

„Einstieg in ein afrikanisches Mittelstandsförderungsprogramm“

Der Unternehmer, Verbandsfunktionär und Abgeordnete Mohamed Raied aus Libyen berichtete aus seiner Heimat, wo das tägliche Leben trotz der anhaltenden Krise seinen Gang nehme: „Das libysche Volk lehnt eine Rückkehr zur Diktatur ab!“ Als weitere Diskutanten begrüßte EMA-Generalsekretärin Clara Gruitrooy neben Dr. Andreas Reinicke, Mohamed Raied und Nadia Ben Bahtane außerdem den ASCAME-Vizepräsidenten Emanuele Garzia aus Italien, der die EMA als einziges deutsches Mitglied in dem euro-mediterranen Dachverband der Handelskammern grüßte.

Der Abteilungsleiter Grundsatzfragen, Wirtschaft, Handel und ländliche Entwicklung im BMZ Gunther Beger wiederum versicherte den anwesenden Unternehmern die Unterstützung der Bundesregierung: „Das BMZ richtet sein Angebot mit weiteren Leistungen gezielt an den Bedarfen der Wirtschaft aus. Mit dem Entwicklungsinvestitionsfonds schafft die Bundesregierung jetzt den Einstieg in ein afrikanisches Mittelstandsförderungsprogramm. Ziel ist es, dass sich noch mehr deutsche und europäische Unternehmen in Afrika engagieren“, versprach Beger dem interessierten Publikum.

Für ihre Verdienste um Völkerverständigung und internationale Kooperation erhielten S.E. Fathallah Sijilmassi und S.E. Dr. Jawad Al Anani die Ehrenmitgliedschaft der EMA. S.E. Saoud bin Abdulrahman Al Thani, Katars scheidender Botschafter in Deutschland, sowie Mohamed Raied wurden für ihr Engagement im Rahmen von diversen EMA-Aktivitäten jeweils als EMA Ambassadors ausgezeichnet.

Das 1. Mittelmeer-Forum: Netzwerk für den euro-mediterranen Austausch

Neben den hochkarätigen Gästen aus der Mittelmeerregion war auch das mediterrane Wetter zu Gast in Berlin. Im klimatisierten Haus der Commerzbank stand jedoch neben kalten Getränken ein Eiswagen zur Erfrischung in den Netzwerkpausen bereit. S.E. Fathallah Sijilmassi und Maltas Botschafter in Deutschland S.E. Dr. Albert Friggieri verstanden sich prächtig im bilateralen Gespräch, schwärmte S.E. Sijilmassi doch von den kurzen Wegen und der Gastlichkeit des Inselstaats, in dem das Herz des Mittelmeers schlägt. So ließen die rund 100 Vertreterinnen und Vertreter aus Diplomatie, Unternehmen, Politik und Verbänden im Garten zu Füßen des hell erleuchteten Brandenburger Tors den Abend bei angeregten Gesprächen über die Gegenwart und Zukunft der regionalen Zusammenarbeit und einem deutsch-mediterranen Büffet ausklingen und knüpften wertvolle Kontakte.

Bericht: Jens Kutscher

 

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