das Wirtschaftsforum Nordafrika

Open for Business: Nordafrikas Wirtschaft ganz nah

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Die neue Bundesregierung nimmt langsam Form an. Laut Koalitionsvertrag sollen die afrikapolitischen Leitlinien des vergangenen Jahres fortgesetzt werden. Das betrifft in erster Linie den Compact with Africa der deutschen G20-Präsidentschaft und die darin vereinbarte Förderung von nachhaltigen Investitionen der Privatwirtschaft. Beim Wirtschaftsforum Nordafrika, das die EMA am 6. und 7. Februar 2018 in Berlin ausgerichtet hat, erläuterten Dr. Holger Fabig, Double Deputy G7 / G8 / G20 im Bundesfinanzministerium, und Dirk Schwenzfeier, Beauftragter für Wirtschaft und Kommunen im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), Weichenstellungen und Handlungsansätze für die kommenden Jahre.

Compact with Africa: Förderung von privaten Investitionen, nicht Entwicklungshilfe

Der Fokus des Compacts liege darauf, Einkommen zu generieren und private Investitionen zu fördern. Es gehe also gerade nicht um eine neue Form von Entwicklungshilfe, betonte Herr Dr. Fabig. Herr Schwenzfeier sekundierte: „Die jungen Menschen in Afrika brauchen Bildung. Sie brauchen Arbeitsplätze. Sie brauchen Infrastruktur. Sie brauchen Straßen, Häuser, Energieversorgung, Wasserversorgung, Müllentsorgung. Die kommunalen Unternehmen, die Kommunen, die Mittelständler können sehr viel von dem anbieten, was in Afrika gebraucht wird.“

Rund 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Unternehmen, Verbänden, Ministerien und Botschaften in Deutschland und Nordafrika machten das Forum zu einem vollen Erfolg. Besondere Wertschätzung erfuhr die Teilnahme von gut einhundert nordafrikanisch-arabischen Kammerdelegationen und hochrangigen Vertreterinnen und Vertretern aus den Ländern Nordafrikas. „Die Qualität der Kontakte, die hier entstanden sind, stimmt mich sehr zuversichtlich, dass wir in Zukunft in Nordafrika weitere positive Gespräche haben werden“, befand etwa Stefan Paul, Direktor von Kawasaki Gas Turbine in Deutschland.

Hub-Region Nordafrika für Logistik und Lieferketten

In mehreren Fachpanels zu den Themen Zuliefererindustrie, Digitalisierung und Agribusiness sprachen Expertinnen und Experten aus allen beteiligten Ländern über die Möglichkeiten und Grenzen der Kooperation. Das Thema Logistik und Lieferketten wurde zur übergreifenden Klammer zwischen allen Vorträgen. Nordafrika ist für Deutschland und Europa eine Brücke zum südlich davon gelegenen Afrika. Sowohl Marokko als auch Ägypten verstehen sich als Tor zu Afrika, etwa in Form von Logistik-Hubs. „Die geographische Lage ist sehr wichtig. Die Tatsache, dass wir eine große Zahl deutscher Firmen in Tunesien haben, die Tunesien als Hub nutzen, ist der beste Vertrauensbeweis“, betonte S.E. Slim Feriani, Tunesiens Minister für Industrie und KMU, der während der Veranstaltung für Gespräche mit interessierten Unternehmen zur Verfügung stand.

Die EMA füllt damit den Compact with Africa mit Leben. Private Investitionen in Afrika werden gestärkt, wie die zahlreichen spontanen B2B-Gespräche während des Forums zeigten. Interesse zeigten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer vor allem an Kooperationsmöglichkeiten im Bereich der Zulieferer für den Kfz-Markt und der Lebensmittelzusatzstoffe.

Konstruktive Diskussionen über Möglichkeiten für deutsche Unternehmen

Auch für konstruktive Kritik steht die EMA ein. Das zeigte die Thematisierung der strukturellen Herausforderungen, vor denen die Länder Nordafrikas stehen. Zwar verfügt die Region über niedrige, wettbewerbsfähige Löhne im Gegensatz etwa zu Südeuropa und selbst China und über motivierte, qualifizierte junge Arbeitskräfte. Insgesamt gibt es aber rund 29 Millionen Arbeitslose. Für sie müssen Jobs geschaffen werden – allein in Ägypten jedes Jahr eine Million. Auch bürokratische Hindernisse erschweren bisweilen den direkten Austausch.

Deutsche Unternehmen – insbesondere aus dem Automobilsektor – könnten der Schlüssel für die Beseitigung dieser strukturellen und bürokratischen Hürden sein, warb nicht nur S.E. Dr. Badr Abdelatty, Botschafter der Arabischen Republik Ägypten in Deutschland. Für sie ergäben sich wichtige Chancen in Ägypten und den übrigen Ländern Nordafrikas. Er unterstrich damit wie weitere Referenten das hohe Interesse der nordafrikanischen Teilnehmerinnen und Teilnehmer an einer privatwirtschaftlichen Kooperation.

Deutscher Mittelstand und Kooperation auf Augenhöhe als Schlüssel zum Erfolg

Nordafrika ist eine der am wenigsten vernetzten Wirtschaftsregionen weltweit. Es ist zugleich eine wirtschaftlich noch nicht gesättigte Region mit Potenzial für hohe Wachstumsraten. Es ist ein Kernanliegen der EMA, Grenzen zu überwinden und auch den regionalen Austausch voranzubringen. Schließlich entsteht auch für deutsche Unternehmen ein wirtschaftlicher Vorteil, wenn Nordafrika als Wirtschaftsraum einfacher und auch mehr für wirtschaftliche Kooperation genutzt werden kann.

Folgerichtig stand das Forum ganz im Zeichen der deutsch-nordafrikanischen Zusammenarbeit. Die Konferenz, das B2B-Galadinner im Bundestag sowie die Unternehmensbesichtigungen bei zwei deutschen Mittelständlern in Brandenburg am Folgetag haben gezeigt, was Länder, Menschen und Institutionen verbindet. „Das Wirtschaftsforum hat sie alle zusammengebracht und gezeigt, dass das Mittelmeer eine Brücke zwischen beiden Seiten ist“, wie die Präsidentin der EMA, Gabriele Groneberg, MdB a.D. unterstrich.

Auch die neue Bundesregierung wird sich mit Nordafrika auseinander setzen. Doch ohne die Einbeziehung des Mittelstands und Kooperation auf Augenhöhe – das hat das Forum gezeigt – wird das nicht funktionieren.

 

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