EMA aktuell

07.05.2019

Klöckner: „Wir wollen die Potenziale der Digitalisierung weltweit nutzen“

Nichts weniger als die Zukunft der Ernährung stand auf dem Programm der World Food Convention in Berlin. Die Gäste – allesamt EntscheidungsträgerInnen aus Industrie, Politik, Start-ups, internationalen Organisationen und Verbänden wie der EMA – diskutierten dabei vor allem Chancen und Defizite der Digitalisierung – ein Thema, das sich wie ein roter Faden durch die Veranstaltung zog. Eine Reihe von praktischen Anwendungsgebieten zählte unter anderem die Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft, Julia Klöckner, auf.

Sie verwies auf Erfahrungen in Äthiopien und Marokko, wo Niederschlagsprognosen, Informationen zu Klimaereignissen und Landwirtschaftsberatung Familien in ländlichen Regionen eine große digitale Hilfe sind. Gerade kleine landwirtschaftliche Betriebe in Marokko wünschten sich demzufolge Informationen und Beratung per Smartphone, um ihre Exportmöglichkeiten in die EU zu stärken. Weitere praktische Anwendungsbeispiele der Digitalisierung ergeben sich zudem beim Einsatz von Düngemitteln, bei der Vermeidung von Nachernteverlusten, für Bewegungsprofile von Tieren sowie bei Strukturveränderungen wie dem Ausgleich von Personalmangel.

„Das Coole ist: Wir nutzen das Internet!“

Für Partnerländer in Afrika und Asien gilt das im Übrigen genauso wie für Deutschland. Mehr als ein Unternehmenspitch erwähnte die verbesserungswürdige Internet-Anbindung auf dem Land. „Deshalb haben wir Indien als Standort für unser Pilotprojekt gewählt“, befand etwa Simone Strey, CEO der PEAT GmbH, die Software zur Diagnose und Überwachung von Pflanzenkrankheiten und zur Überwachung von Treibhäusern bereitstellt.

Um Viehwirten und Nomaden in Somalia, die immerhin rund die Hälfte der Bevölkerung ausmachen, ein Auskommen zu ermöglichen, hat Mohamed Jimale sein Start-up Agrikaab gegründet. Der gebürtige Somalier lebt in Schweden und ermöglicht Menschen in der ganzen Welt mit seiner App, in Somalia zu investieren, Arbeitsplätze für Viehwirte sicherzustellen und die Landwirtschaft dank dem Einsatz von Technologie effizienter zu gestalten. Mehr als 60 Prozent des somalischen BIP wird im Agrarsektor erwirtschaftet.

Wie er Investoren aus Korea und anderen Teilen der Welt anzieht? „Das ist ja das Coole: Wir nutzen das Internet“, erklärte Jimale seine Unternehmensstrategie. Ganz ohne aktive Werbung kommt er über Konferenzen und Pitches wie bei der World Food Convention an potenzielle Investoren und gewinnt diese mit der weiteren Social-Media-Arbeit für seine Sache.

Dass die Digitalisierung auch in Deutschland Einzug hält, beweist die eigens eingerichtete Unterabteilung für Digitalisierung im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft. Diese behält alle Aspekte der digitalen Land- und Ernährungswirtschaft im Blick – sei es im In- oder Ausland. Die Digitalisierungsbeauftragte Professor Dr. Engel Hessel ist sich denn auch im Klaren darüber, dass die Beratung und Fördermöglichkeiten ihrer Abteilung von Land zu Land so unterschiedlich ausfallen wie die Anwendungsgebiete von Digitalisierung selbst.

 

Zum Weiterlesen:

Digitalisierung und Agribusiness beim Wirtschaftsforum Nordafrika 2018

Marokko auf der Grünen Woche 2016

Ernährungssicherheit in Ägypten im Wirtschaftsmagazin Mediterranes 2015

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